Patentanmeldungen

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Nachdem ich letztens darauf hingewiesen habe, dass 1999 noch rund 92,5 % aller Patentanmeldungen in Deutschland ausschließlich von Männern eingebracht wurden (im Gegensatz zu 1,46 % ausschließlich von Frauen), möchte ich in diesem Beitrag genauer auf die Patentanmeldungen nach Geschlecht eingehen.

In der wirklich aufschlußreichen Studie „ESGI: European Study on Gender Aspects of Inventions Statistical Survey and Analysis of Gender Impact on Inventions“ gingen Busolt et al. im Zeitraum 2006-08, von der EU-Kommission finanziert (wer hätte das gedacht), der Frage nach, inwieweit Frauen am „Innovationsgeschehen und Patentwesen innerhalb des europäischen Forschungsraums“ partizipieren.

Genauer:

Als Indikator zur Erhebung der Beteiligung von Frauen im Innovationsgeschehen werden Daten aus dem Patentwesen herangezogen. Datengrundlage für den ersten Projektteil ist eine umfassende geschlechtsspezifische statistische Analyse von Patentanmeldungen von Anmeldern aus allen 27 EU Mitgliedsstaaten des Europäischen Patentamtes.

Sie erzielten hierbei, nach einem ausgeklügelten statistischen Verfahren – einer geschlechtsspezifischen Analyse nach, bei der Patentanmeldung genannten männlichen oder weiblichen Vornamen, mit dem Output von 93% EU-weit eindeutig zuordenbaren Vornamen – interessante Ergebnisse. So ergab diese stringente Analyse, dass rund 8,3% aller europäischen Erfinder weiblich waren. Sie führen an, im Ländervergleich:

In Litauen, das den höchsten Anteil an Frauen als Patentanmelderinnen aufweist, sind es 23,1% in Österreich, dem Schlusslicht jedoch nur 4,8%. Es stellte sich außerdem heraus, dass die meisten Patenanmelderinnen aus Osteuropa kommen, obwohl dort die wenigsten Patente in der ganzen EU angemeldet werden. Deutschland, die zahlenmäßig führende Nation im europäischen Patentgeschehen, erreicht nur einen Frauenanteil von 6,1%.

Die meisten Patentanmeldungen von Frauen aus konservativen Ländern? Da kann doch etwas nicht stimmen – oder? Doch weiter. Aufgegliedert in die unterschiedlichen Technologiefelder, halten die Autorinnen fest:

Alle Patentanmeldungen wurden in acht Gruppen und 31 Technologiefelder aufgeschlüsselt. Die Mehrzahl der Frauen patentiert im Gesundheits- und Nahrungsmittelsektor sowie im chemischen Sektor. Dabei sind die meisten Erfinderinnen in der Pharmazie (22,7%) und der Biotechnologie (22,2%) zu verzeichnen, wo fast jedes vierte Patent von einer Frau angemeldet wurde. Die Frauenanteile im Transportwesen, dem Technologiefeld mit den meisten Anmeldungen, sind hingegen mit 2,5% äußerst gering. Ebenfalls niedrig fallen die Erfinderinnenanteile in allen mechanischen und elektrischen Sparten sowie in der Konstruktionsbranche und der Physik aus.

Zwei Anmerkungen hierzu. Erstens beträgt der Beitrag der „Erfinderinnen“ zum Patent nur rund 6,3% im EU-Schnitt und zweitens melden Frauen, so behaupten es die Studienautorinnen, Patente häufiger in größeren Gruppen an. Man könnte auch sagen, in Bereichen, welche im Regelfall mehrere Personen ein Patent gemeinsam anmelden, sind mehr Frauen vertreten als in Bereichen, in welchen dies nicht der Fall ist, obwohl dort sowieso schon wenige Frauen vertreten sind. Mit den Worten von Busolt et al.:

Frauen melden außerdem Patente häufiger in denjenigen technologischen Gebieten an, in denen die Patente von größeren Gruppen beantragt werden.

Für die institutionellen Sektoren halten sie fest (man beachte, dass aus 100%, 100,2% werden):

Die Patentaktivitäten in der EU werden klar vom Wirtschaftssektor dominiert, aus dem 88% aller angemeldeten Patente stammen. Die anderen Sektoren haben demnach nur geringe Anteile: 3,9% aller Patente stammen von individuellen Erfindern, 2,0% aus dem Hochschulsektor, 1,8% von Regierungsinstitutionen, 1,9% aus dem Privatsektor und 0,1% aus dem Krankenhausbereich. 2,5% der Erfinder und Erfinderinnen konnten keinem Sektor zugeordnet werden. Im Wirtschaftssektor beträgt der Anteil von Erfinderinnen 7,9%, das heißt, dass von 100 Patenten nur 12 von Frauen angemeldet werden und 88 von Männern. Hingegen ist der Frauenanteil im Hochschul- und Regierungssektor mit jeweils knapp 17% mehr als doppelt so hoch wie in der Wirtschaft.

Wir sehen, europaweit stellen Frauen auf Basis dieser hochwissenschaftlichen Analyse nur rund 8,3% der Erfinder, wobei Gruppenanmeldungen zu berücksichtigen sind – partizipieren Frauen hier oft an den innovativen Leistungen der Männer? Werden diese berücksichtigt, und davon gehe ich aus, korrigiert sich der Anteil an Frauen, die ein Patent – nunmehr allein – eingebracht haben, nach unten. Auf den zweiten Teil der Analyse möchte ich nicht eingehen, zumal hier allen Ernstes die Frage gestellt wird, inwieweit Erfinderinnen in der Europäischen Union unterrepräsentiert sind. Eine Zusammenfassung siehe HIER. Vielleicht sollten wir eine Quote für Erfinderinnen „erfinden“ oder einfach in die Gesetzgebung implementieren. 40% aller Erfindungen müssen von Frauen gemacht werden, sind es auf die Gesamtheit gerechnet weniger, dürfen solange keine männlichen, überzähligen Erfindungen patentiert werden, bis die Quote erfüllt wird.

Auf einen Aspekt möchte ich noch eingehen. In der deutschsprachigen Zusammenfassung des Projektes wird, wie oben zitiert, angeführt, dass Frauen des Öfteren dazu neigen, in Gruppen zu patentieren. In der englischsprachigen Fassung wird tunlichst darauf verzichtet:

7. Female contribution by technical units
All patent applications were allocated to eight sections and 31 technical units. Concluding these findings the dominance of women in section A “Human necessities” and C “Chemistry/Metallurgy” is pronounced. Female researchers invent most often in pharmacy (22.7%) and biotechnology related technologies (22.2%) where approximately one out of four patents is filed by a woman. High rates are also found in chemistry related areas while the female activities are low in the mechanical, construction, physics and electrical sections.

Warum wohl? Das erinnert mich an eine interessante Studie, welche ich in den letzten Tagen las. In Science erschien im Jahre 2006 eine Studie mit dem Titel „Gender Differences in Patenting in the Academic Life Sciences“.

Aus dem Abstract war Folgendes zu entnehmen:

We analyzed longitudinal data on academic careers and conducted interviews with faculty members to determine the scope and causes of the gender gap in patenting among life scientists. Our regressions on a random sample of 4227 life scientists over a 30-year period show that women faculty members patent at about 40% of the rate of men. We found that the gender gap has improved over time but remains large.

Ich dachte zuerst, naiv wie ich bin, dass Frauen in diesem Sample aus „life scientists“ rund 40% der Patente stellen, bemerkte aber doch recht schnell, dass dies nur gemessen an der Rate der Männer war. Was das genau zu bedeuten hat, konnte ich HIER eruieren.

Scheinbar hielten rund 13% der Männer aus dem Sample und rund 5,65% der Frauen ein Patent. Interessant jedoch folgende, wichtige Klarstellung:

Moreover, the male patent holders in the data amassed a total of 1,286 patents, compared to only 92 patents secured by women scientists.

Das wäre dann ein weiblicher Anteil von 6,67%. Als Männerrechtler muss man aber auch immer genau lesen und seiner Spürnase folgen, will man nicht von Genderisten an der Nase herum geführt werden.

Für mich bleibt festzuhalten: Seit nunmehr 40 Jahren werden Frauen gehätschelt und getätschelt, bevorzugt und gefördert. Was die Patentanmeldungen anbelangt, hat sich, wie es scheint, nicht viel getan. Immer noch halten Männer über 90% der Patentanmeldungen, unter Berücksichtigung von Gruppenpatenten mit weiblicher Beteiligung noch mehr. Wird weiterhin so männerfeindlich in Politik und Medien agitiert, kann es zwar sein, dass „mehr“ Frauen „mehr“ Patente anmelden, was uns aber im Gegenzug an männlichem Potential verlorengeht, darüber möchte ich nicht nachdenken.

Aber es fällt ja auch nicht ins Gewicht, da wir nicht-Erfundenes auch nicht vermissen können.

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