Monat: Januar 2012

Voltaire, immer wieder Voltaire

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Es ist nun schon wieder ein paar? Jahre her, seitdem ich, dumm wie ich war, auf ORF2 eine Diskussionsrunde „konsumierte“. Ich will gar nicht lange auf das Thema eingehen. Es ging dabei um die Angemessenheit eines Kunstprojektes, welches u.a. abends und in der Nacht, in einem angesehenen Museum in Wien ein Swingerambiente anbot und zum mitmachen animierte. Mir geht es hier keineswegs um irgendwelche „Sex“-diskussionen, mir geht es nur um das Argument, welches ich vom Kulturstadtrat der SPÖ, Mailath-Pokorny zu vernehmen glaubte. Er warf damals, so weit ich mich erinnere, der freiheitlichen Mitdiskutantin sinngemäß vor, intolerant zu sein und nicht nach dem Voltair’schen Motto zu leben, „Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“, was vor allem für die Kunst und deren Ausdruck Gültigkeit besitze.

So habe ich die Aussage im Kopf, welche ich damals schon ablehnte.

In letzter Zeit hörte ich öfters ähnliche Äußerungen von feministischer Seite. Die Männerrechtler wären intolerant, könnten andere Meinungen nicht ertragen und würden somit hinter die Aufklärung und ihr Leitprinzip zurückfallen.

Ich möchte nun ein wenig Licht hinter diesen Voltäire zugeschriebenen Spruch bringen.

Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

Zunächst bleibt festzuhalten, dass dieser Ausspruch nicht aus der Feder Voltaires stammt und somit auch kein Zitat ist. Dieser Ausspruch stammt aus der Feder von Tallentyre und ist in dem Buch The Friends of Voltaire, erschienen 1906, auf Seite 199 zu finden.

Dort ist zu lesen:

What the book could never have done for itself, or for its author, persecution did for them both. ‚On the Mind‘ became not the success of a season, but one of the most famous books of the century. The men who had hated it, and had not particularly loved Helvétius, flocked round him now. Voltaire forgave him all injuries, intentional or unintentional. ‚What a fuss about an omelette!‘ he had exclaimed when he heard of the burning. How abominably unjust to persecute a man for such an airy trifle as that!

‚I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it,‘ was his attitude now. But he soon came, as a Voltaire would come, to swearing that there was no more materialism in ‚On the Mind‘ than in Locke, and a thousand more daring things in ‚The Spirit of Laws.‘

Der Autor umschreibt eine Haltung, welche er Voltaire zuschreibt, mit Worten, mehr ist das nicht.

Ein wenig Hintergrundwissen: In dem Abschnitt ging es darum, dass Helvétius, ein im Nachhinein als Hauptvertreter des französischen Materialismus und Sensualismus im 18 Jh angesehener Zeigenosse Voltaires, ein Buch unter dem Titel „De l’esprit“ (On the Mind) veröffentlicht hatte. In diesem Buch versuchte er eine Grundlegung einer materialistischen Ethik zu entwickeln, „eine Wissenschaft vom Menschen auszuarbeiten, die die Gesetze des menschlichen Verhaltens bzw. die sozialen Verhältnisse, in denen der Mensch lebt, im Sinne des analytischen Geistes der Philosophie Lockes erforschen sollte.“(Mezzanzanica: De l’esprit, in: Volpi [Hg.]: Großes Werklexikon der Philosophie, Bd. 1: A bis K, 671). Er sparte in diesem „reduktionistischen Programm“ auch unter anderem nicht mit „Kritik an Papsttum und Jesuitismus“ (vgl. Röd: Geschichte der Philosophie, Bd. VIII: Die Philosophie der Neuzeit 2. Von Newton bis Rousseau, 218). Worauf er seine Stelle verlor und sein Buch zu guter Letzt, noch im Erscheinungsjahr, auf Befehl des Parlaments öffentlich verbrannt wurde. Dies erregte nun die Gemüter und diese Erregung und Missbilligung der „persecution“ und des „burning“, veranlasste wohl auch seine Gegner sich hinter ihn zu stellen. In der Interpretation von Tallentyre wurde dann obiger Leitsatz daraus, welcher im nächsten Satz, auf Voltaire selbst bezogen schon wieder relativiert wurde.

Was hat ein solcher Ausspruch nun für eine Relevanz? Warum sollte man ihm eine Realität zuschreiben, die es vermutlich niemals gab?

Meines Erachtens hat dieser Ausspruch wenig Relevanz und sollte, moralisch betrachtet auch kein verallgemeinerndes, totalitäres Gewicht haben. Seine Meinung vertreten konnte man zu allen Zeiten, wenn man gewillt war, die Konsequenzen dafür zu tragen. Darum scheint es also nicht zu gehen. Der springende Punkt ist, seine Meinung in die breite Masse zu tragen, damit eine (politische, kulturelle, philosophische) Veränderung herbeiführen zu können, sprich, in das Leben anderer, welche diese Meinung nicht teilen, eingreifen zu können.

Hier ist nun die Frage, ob ich, auf den Maskulismus bezogen, die Möglichkeit des öffentlichen! Kundtuns feministischer Standpunkte, welche meinem Standpunkt diametral entgegengesetzt sind, sogar mit meinem Leben verteidigen sollte?

Schlüsseln wir die Frage und deren Beantwortung auf:

Vorannahme:
– Es geht nicht darum, seine Meinung äußern zu dürfen, es geht darum, diese in den Diskurs einbringen zu können, öffentlich-wirksam einbringen zu können um ein Ziel zu erreichen.

1. Gehen wir in einem Idealzustand davon aus, dass Feministinnen denselben Zugang zur Öffentlichkeit haben wie eine jede Einzelperson und nur Meinungen vertreten welche mich nicht direkt in meiner Lebensweise tangieren (indirekter Widerspruch zur Vorannahme), dann und nur dann wäre es logisch das Recht auf die Äußerung dieser Meinungen, insofern sie in einen Diskurs eingebracht würden, im Hinblick darauf, dass dies verallgemeinernd vorausgesetzt werden kann, reziprok zu verteidigen, nicht jedoch mit dem Leben, denn wenn das handelnde Subjekt nicht mehr ist, ist auch die Reziprozität nicht mehr gegeben. Ich würde damit ab einem bestimmten Zeitpunkt meine Mitstreiter schwächen.

In diesem Falle ist die Antwort: JA ohne Lebenseinsatz.

2. Nun gibt, gab es und kann es in keiner Gesellschaft je einen Idealzustand geben. Nicht umsonst sprechen wir diesbezüglich von Utopien, von „Urzustands-Theoremen“ (vgl. Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kapitel 3). In der Zeit, in welcher wir leben ist aus verschiedenen Gründen nicht davon auszugehen, dass erstens ein gleichwertiger Zugang einzelner Bürger zur Öffentlichkeit besteht, wie dieser dem herrschenden Zeitgeist, dem Gleichstellungsfeminismus obliegt, zweitens selbst wenn ein solcher Zugang zur Öffentlichkeit gegeben wäre, wäre, über den ‚Manufactured Consent‘ die Möglichkeit auf eine gleichwertige Verbreitung der eigenen Anschuungen nicht gegeben und drittens hat das Gesetz der Reziprozität in einer politisch korrekten Gesellschaft keine Gültigkeit in Bezug auf den Maskulismus.

Das heißt, am Beispiel des Maskulismus verdeutlicht, in diesem Realfall: NEIN, überhaupt nicht!

Die Frage, die im Raum steht, ist jene, ob man in einer Gesellschaft, in welcher man realiter keine Möglichkeit hat, seine eigenen Anschauungen in den Diskurs einzubringen, noch an den Konsens gebunden ist, sich an Gesetze halten zu müssen, auch wenn sie einen subjektiv schlechter stellen oder ob man das Recht hat, auto-nom zu entscheiden. Eine interessante Frage, deren Erörterung lohnen würde.

Lesbische Instrumentalisierung homosexuellen Leides

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Eigentlich bin ich der Meinung, dass sich meine homosexuellen Mitstreiter selbst gegen Instrumentalisierungen aus der lesbischen Ecke zur Wehr setzen sollten, sehe ich mich, wenn ich diesbezüglich meine Stimme für meine Mitmänner erhebe doch immer! dem Vorwurf, ein, die heterosexuelle Matrix propagierender Sexist, Antifeminist, Frauenhasser und Patriarch – nebenbei noch rechtsradikaler konservativer Reaktionär – zu sein, ausgesetzt.

Dennoch komme ich dieses Mal nicht umher, einen neuen Kurzbeitrag, gefunden auf emma.de, zu kommentieren.

Unter der Rubrik News, HOMO-MAHNMAL Neuer Film: Jetzt dürfen auch Frauen küssen, ist u.a.zu lesen:

Mit zwei Jahren Verspätung ist es jetzt so weit: Im Berliner „Mahnmahl für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ sind die homosexuellen Frauen nicht länger unsichtbar.

… Nach der Präsentation des Films im „Ort der Information“ des Holocaust-Mahnmals, bei dem die offen homosexuelle Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer [Hervorhebung, terminatus30] den Festvortrag hielt, nahmen rund 200 Gäste an einer Kranzniederlegung am Mahnmal teil. …

EMMA hatte 2008 mit einer Kampagne gegen die Ignoranz homosexueller Frauen [Hervorhebung, terminatus30] im Mahnmal protestiert und mit rund 1.500 UnterstützerInnen – von Hella von Sinnen bis Ralf König – erreicht, dass der Film im Inneren des Mahnmals alle zwei Jahre ausgetauscht werden soll. Im Jahr 2010 wäre es also so weit gewesen, aber die Jury ließ sich zwei Jahre länger Zeit. Nun dürfen also auch Frauen küssen – besser spät als nie.

Mein erster Kontakt mit der Diskussion um das Mahnmal kam über den Film „Unter Linken“, von Jan Fleischhauer, zustande. Darin stellte er bei einer Pressekonferenz – anwesend auch Chantal Louis von der EMMA – die berechtigte 😉 Frage, ob man nicht auch den Transsexuellen und Transgendern zu gedenken hätte, was natürlich von Frau Louis bejaht wurde. Dass eine solche Einlassung, ungeachtet ihrer Realitätsferne, in Österreich, hier vor allem in der Genderzentrale Europas: Wien, auf fruchtbaren Boden fallen würde, braucht nicht erwähnt werden. In Wien gibt es bereits seit 2006 ein Mahnmal zum Gedenken an die homosexuellen und transgender Opfer des Nationalsozialismus. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, dass die Begriffsgenese von „Transgender“ erst in die 1970er fällt.

Ebenso spielt es in Deutschland, in der EMMA-Direktion keine Rolle, dass in der Nazi-Zeit zwar 100 Tausende homosexuelle Männer litten, über die Paragraphen 175 und 175a RStGB verfolgt und nach Schätzungen zwischen 5 und ca. 7.500 Homosexuelle in KZ’s ums Leben kamen, währenddessen Lesben nicht verfolgt wurden und nicht unter den Paragraphen 175 fielen. Daher auch das zynische „mit zwei Jahren Verspätung“ und der Verweis auf die „Kampagne gegen Ignoranz homosexueller Frauen“. Ja, meine homosexuellen Mitstreiter, ihr seid ignorant, wenn ihr nicht auch ein Mahnmal für die Lesben zulasst. Im verwiesenen Artikel, unter dem Titel: „NS-Verfolgung von Lesben wird weiter geleugnet“, fanden die Redakteusen damals den Streit als kläglich-kleinlich und verwehrten sich dagegen, dass schwule Lobbyisten das Gedenken an die Frauen verhindern wollten. Interessant auch, dass die EMMA-Journaille die Behauptung, dass der Paragraph 175 nur für homosexuelle Männer gegolten hatte, als dreist, nicht jedoch als unwahr bezeichnet. Dreist, da es ja Frauen gab, die aus erzieherischen Maßnahmen für einen Monat ins Gefängnis gesteckt wurden.

Doch auch die Strafakten des Hamburger Staatsarchivs ergaben auch ohne den § 175 Verurteilungen wg. weiblicher Homosexualität: „Um der Angeklagten klar zu machen, dass sie künftig ihre Neigungen in dieser Hinsicht im Zaume zu halten hat, glaubte das Gericht von einer Geldstrafe Abstand nehmen zu müssen und auf eine Haftstrafe von 1 Monat zu erkennen“, heißt es da zum Beispiel über die Angeklagte Thea Hasselfeldt.

Schlimm, allemal! Das heißt also, es gab kein Gesetz im strammen, nationalsozialistischen „Rechts“staat gegen weibliche Homosexualität, trotzdem waren diese, die weiblichen Homosexuellen, natürlich Opfer, welche in gleichem Maße auf das Mahnmal für getötete und misshandelte Homosexuelle während der NS-Zeit gehören. Das nenne ich eine Instrumentalisierung homosexuellen Leides für eigene Zwecke.

Da hilft dann auch der Verweis darauf, dass EMMA immer schon ein „geschlechtsneutrales“ Mahnmal wollte, nicht mehr. Wir kennen diese Salami-Taktik von der Gleichstellungsszene zur Genüge. Anderes Leid wird ignoriert oder gemindert, eigenes, „gefühltes“ Leid erhöht und dann die Diskriminierungs- und Gleichstellungs- bzw. Neutralitätskeule geschwungen.

Die uns heterosexuellen Männern in generi unterstellte Homophobie kulminiert eben bei vielen lesbischen Frauen in einen verschleierten elitären Sexismus, welchem eine zutiefst verinnerlichte Androphobie zugrundeliegt. Diese Androphobie betrifft naturlich auch euch, meine homosexuellen Mistreiter. Das letztlich Perfide daran ist jedoch die Gebarung als „Mitstreiterinnen“ gegen den heterosexuellen Mann, die heterosexuelle Zwangsmatrix.

Letztlich seid ihr, und da sitzen wir im selben Boot, für sie „auch nur Männer“, schlimmer noch, wie ich dereinst auf EMMA las, oft nur „hinter Büschen kopulierende“ Männer.

Tipp: Fleischhauer: Unter Linken (Teil II) (6:28 Auch schwule Männer sind letztlich Männer)

Korowai – was Gleichstellungsfeministinnen und Queertheoretikerinnen gerne verschweigen

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Die Korowai sind ein indigenes Volk auf Neuguinea. Die ersten Kontakte mit der westlichen Welt werden im Allgemeinen mit den späten 70ern des 20 Jhs betitelt. In totalem Gegensatz zu queertheoretischen Behauptungen, zeigen sich auch hier Unterschiede zwischen den Geschlechtern und deren „kultureller“ Funktion: Männer gehen jagen, sind geniale Architekten, die Baumhäuser in Schwindel erregenden Höhen bauen, Frauen hingegen widmen sich in erster Linie dem Nachwuchs und der Verwertung der gewonnenen Nahrung. Wenn es hart auf hart kommt, helfen alle zusammen. So macht man das nun einmal, frei nach Iceage, in einer „Herde“!

Männliche Baukunst

Haben die Korowai Männer nun all‘ dies konstruiert, Frau Butler? Ist hier eine patriarchale Weltverschwörung im Gange oder ist dies doch eher ein Ausdruck der gemeinsam und doch unterschiedlichen männlichen und weiblichen Evolution? Müssen wir hier die Frauen gleichstellen? Wie sollten wir das machen; sie dazu bewegen auf die Jagd zu gehen und Baumhäuser zu bauen oder, wie im Westen, die Männer dazu bequemen sowohl auf die Jagd zu gehen, Baumhäuser zu bauen als auch noch auf den Nachwuchs aufzupassen, währendessen die Frauen wählen können?

Werdet erwachsen ihr Feministinnen! Fuck feminism!

Tipp: Tribu Korowai, Kolofu, Papúa Nueva Guinea. Human Planet (Youtube Video, 7:37 min)

Trash des Tages

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Zum Trash des Tages zähle ich einen Absatz aus dem zweiten österreichischen Männerbericht.

Unter  3.1.1. Die wichtigsten Erkenntnisse ist auf Seite 367 zu lesen:

Nach ökonomischen Überlegungen bei der Realisierung des Kinderwunsches gefragt, ist für Frauen die eigene Arbeit meist von größerer Bedeutung. Das ist kein Widerspruch zum gesellschaftlich verankerten männlichen Ernährermodell, sondern vielmehr Folge dessen. Frauen müssen nach wie vor wesentlich umfassendere Anpassungsleistungen im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erbringen als Männer.

Ich weiß nicht wie eure Lesart ist, ich lese den Absatz folgendermaßen: Es wird behauptet, dass Frauen, wenn sie denn einen Kinderwunsch haben und diesen „realisieren“ – wo ist der Mann? – wollen, vor ökonomische Überlegungen gestellt werden, bei denen die eigene Arbeit meist von größerer Bedeutung ist. Dies sei eine Folge des gesellschaftlich verankerten, männlichen Ernährermodells. Erörternd werden die Anpassungsleistungen oder im bekannteren Sprech, die „Doppelbelastung“ der Frau hervorgehoben.

Nun frage ich mich allerdings, was das alles mit dem klassisch-männlichen Ernährermodell zu tun hat? Werden hier Annahmen, Unterstellungen verschwiegen? Das klassisch-männliche Ernährermodell steht ja gerade dafür, dass der Mann die ökonomischen Überlegungen bei der Realisierung des Kinderwunsches der Frau zu machen, die Familie zu „ernähren“ hat und eben nicht die Frau. Ist es nicht eher so, dass der Mann sich zunehmend nicht mehr erpressen lässt, keine Beziehung mehr will, obwohl er in einer Beziehung nach wie vor den Haupternährer gibt, und dieses emannzipieren des Mannes vor der Beziehungsfreudigkeit der Frau die Frau vor die quälenden ökonomischen Fragen stellt, was hier natürlich nicht in dem Maße geschrieben werden kann, denn eigene Erwerbstätigkeit ist ja etwas Tolles.

Die Lösung wird uns auf dem Fuß, im letzten Satz geliefert – zumindest indirekt. Wenn Frauen weniger Anpassungsleistungen zu erbringen hätten, sprich, die Männer wieder Familienmenschen sein, den Ernährer geben würden, zusätzlich noch mehr für die Familie da wären, dann spielten die ökonomischen Überlegungen der Frauen keine Rolle mehr oder eben nur, insofern Frau beschlösse einer Berufstätigkeit nachzugehen.

Wie seht ihr das?

2. Österreichischer Männerbericht

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Als ich von Manifold heute Vormittag mit der Bitte um Stellungnahme, auf den 2. Österreichischer Männerbericht hingewiesen wurde, hoffte ich, dass beim zweiten Anlauf die Expertise von, an verschiedenen Instituten tätigen Professoren interdisziplinär erstellt wurde.

Falsch gedacht. Bereits auf der zweiten Seite des 468 Seiten starken „Berichtes“ wird einem deutlich präsentiert, dass der 2. Österreichische Männerbericht vom Institut für empirische Sozialforschung, seines Zeichens eine GmbH, ein kommerzielles Forschungsinstitut mit einem, laut VMÖ, Umsatz von 5,6 Millionen Euro, im Auftrag der männerpolitischen Grundsatzabteilung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, erstellt wurde. Wie wichtig dieser Bericht für das Ministerium zu sein scheint, zeigt sich noch vor jeder Lektüre, in der Anführung der „Wissenschaftlichen Mitarbeit“ oder in Klammer (Recherche). Die „Recherche“ übernahmen die beiden Magistra Völkl und Schuster, ihres Zeichens bei der IFES als Projektassistentinnen! angestellt. Egal, dachte ich mir, es geht ja nur um Männer und Jungen und erwartete den üblich ideologisch gefärbten Genderisten“müll“. Wieder richtig gedacht.

Im Vorwort (5f.) wird deutlich, dass die Autoren und Autorinnen etwas anderes unter einem Männerbericht verstehen als der zuständige Minister, Rudolf Hundsdorfer, der noch von einer „geschlechtergerechten Gesellschaft“, von einer Männerpolitik spricht, „die […] mit einer geschlechtergerechten Jugenderziehung und der Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Situation und der Bedürfnisse von Buben und Burschen“(4), beginne.

Die Autoren und Autorinnen hingegen sprechen in ihrem Vorwort, in welchem das Wort „Frau..“ 13x vorkommt, auch von Erkenntnissen, die „nicht nur“ aus der Männer- und Frauenforschung! gewonnen worden seien – es scheint in der Tat nicht möglich zu sein, einen Männerbericht ohne Berücksichtigung von Frauenanliegen zu erstellen -, von einem vertretenen, pragmatischen Ansatz, der zwar, insofern Expertenmeinungen eingeholt wurden, nicht den Anspruch erhebt, diese auch wissenschaftlich ausgewertet zu haben, dennoch, und dies scheint kein Problem für einen Bericht eines „Institutes“ zu sein, mit „politischen Handlungsanweisungen“ versehen ist.

Ich möchte, im Folgenden, kurz auf das Gewaltkapitel, speziell im partnerschaftlichen Kontext, eingehen. Zwar verfüge auch ich hier über keine Expertise, dennoch glaube ich imstande zu sein, auf gleichem akademischen Niveau wie die Rechercheusen des IFES, wissenschaftliche Ergebnisse präsentieren zu können.

In einem Unterbereich zu Punkt 2.5.5 Gewalt in der Familie, wird ab Seite 327 auf die Gewalt in der Partnerschaft eingegangen. Mit folgendem Zitat werden wir darauf eingestimmt, was gleich folgen wird:

„Ein Mann ist an diesem Ort,
Der seine Frau geprügelt hat!
Der seine Frau geprügelt hat!!
Es ist große Schande und Schmach
Für alle an diesem Ort,
Ja, so ist’s, so wahr ich lebe!!!“
(Shorter, 1977, S. 256)

Ja, in einem Männerbericht über Gewalt an Männern, wird im entsprechenden Gewaltkapitel, bezüglich der Gewalt in der Partnerschaft, einleitend ein Gedicht über einen, eine FRAU prügelnden Mann rezipiert. Doch dem nicht genug, erfahren wir anschließend über fast eine halbe Buchseite, dass es vor über 200 Jahren üblich war auf solche Verstöße gegen die Moral- und Wertvorstellungen in Dorfgemeinschaften und Städten, mit öffentlicher Publikmachung, dem sog. Haberfeldtreiben und „Vorführung der Täter“, zu reagieren. Interessanterweise gestehen die Autoren im Weiteren ein, dass dies auch für schlagende Frauen gegolten habe (soviel zum Patriarchatsmythos).

Doch das Haberfeldtreiben wurde regelmäßig auch im umgekehrten Fall aufgespielt: Paaren nämlich, in denen die Frau den Mann schlug, wobei die Ächtung der Dorfgemeinschaft manchmal den Mann und manchmal die Frau traf, weil beide ihre traditionellen Geschlechterrollen nicht ausfüllten, die Frau aber auch, weil in diesem Fall sie es war, die das akzeptierte Maß an Gewalt überschritten hatte, wie sonst eben ein prügelnder Ehemann.

Schon vor über 200 Jahren war folglich klar, dass auch Frauen regelmäßig Männer über das gesellschaftlich akzeptierte Maß hinaus drangsalierten und misshandelten. Doch den Autoren scheint diese, auf der Hand liegende Einsicht in weiterer Folge abhanden zu kommen. So kann man zwar lesen, dass es seit den 70er Jahren Forschungen über das fast gleichverteilte Erleben von Gewalt von Frauen und Männern gebe, diese Feststellung wird mit Verweis auf das „umstrittene“ Model der CTS (Conflict-Tactics-Scale) jedoch zu relativieren gesucht. Als „neutrale“ Leumundszeugin wird Frau Dr.In. Haller aufgeführt, die sogleich auf die ideologischen „Grabenkämpfe“ zwischen den Anhängern der CTS und der feministischen Gewaltforschung, was immer das wissenschaftlich betrachtet auch sein soll, hinweist, um eine scheinbare Gleichwertigkeit der beiden Parteien unterstellen zu können. Dass die eine Partei mittlerweile hunderte wissenschaftliche Studien, die falsifizierbar sind, vorzuweisen hat – ich als Laie konnte allein in an einem Wochenende über 100 Studien eruieren -, während die andere Partei auf ideologischen, unhinterfragbaren Grundannahmen aufbauend, nicht-falsifizierbare Behauptungen ausspricht, scheint irrelevant zu sein. Diese Gleichsetzung verwundert nicht, wenn man bedenkt sich mit den Arbeiten und Interessen von Frau Dr.In. Haller näher beschäftigt. Dr.In. Haller arbeitet am Institut für Konfliktforschung mit mehreren Interessensschwerpunkten, einem davon, wen wundert es, in Genderforschung. Im Frauenbericht 2010 schreibt sie im Kapitel 2.4. Beziehungsgewalt gegen Frauen – die natürlich nur von Männern ausgeht; in gleichgeschlechtlichen, weiblichen Partnerschaften gibt es keine Gewalt -, u.a. auf Seite 505 ganz wissenschaftlich neutral, Folgendes:

Seit Erscheinen des Frauenberichts 1995 war (und ist) die Bekämpfung von Männergewalt gegen Frauen ein wichtiges politisches Anliegen, da – in Anlehnung an eine deutsche Repräsentativerhebung – auch für Österreich anzunehmen ist, dass etwa jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren, die in einer Partnerschaft gelebt hat, Gewalt durch den Partner erfahren hat. …

Will man Männergewalt gegen Frauen nachhaltig verhindern, bedarf es allerdings einer Veränderung der Herrschaftsverhältnisse, die diese Gewalt erzeugen.

Da nützt die Feststellung, dass die „Tätigkeitsberichte der Interventionsstellen und Gewaltschutzzentren nicht widerspiegelten, wie viel Gewalt Männer in intimen Beziehungen tatsächlich erlebten“ (334) auch nichts mehr. Da es in Österreich keine repräsentative Erhebung zum Thema Gewalt in intimen Beziehungen gibt, was mich nicht wundert, wird auf eine uns bekannte deutsche Studie, „Gewalt gegen Männer“ vom BMFSFJ, aus dem Jahre 2004, mit dem Verweis darauf, dass es keinen Grund gebe, „warum die Relationen in Österreich anders sein sollten als in Deutschland“  (Ibid) zurückgegriffen. Mir stellt sich dann aber die Frage, warum es einen Grund geben soll, die Studien aus den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark, den USA und Neuseeland nicht zu verwenden? Sind diese Länder keine westlichen, christlich geprägten Länder? Anscheinend nicht. Zwar werden hier die Ergebnisse der Studie, so weit ich es eruieren kann, richtig wieder gegeben, es wird jedoch, so sehe ich das, tunlichst darauf geachtet einen relativierenden Standpunkt gegenüber weiblicher Gewalt einzunehmen. So beispielsweise hier (330):

Auffällig ist, dass es – anders als in der repräsentativen Studie über Gewalt gegen Frauen – bei den Männern für einige der besonders schwere Gewaltakte („verprügeln/zusammenschlagen“, „würgen/Versuch zu ersticken“, „mit Waffe verletzen“) keine einzige Nennung gab.

Übel wird die ganze Geschichte in meinen Augen dann, wenn die weibliche Gewalt mit Verweis auf „explosive Gewalt“ zu relativieren gesucht wird. Männer, so die Autoren, seien im Normalfall Opfer dieser Gewaltform. Dabei handle es sich „um Konfliktsituationen, die für die Täter/innen mit unangenehmen Gefühlen sowie deutlichen körperlichen Reaktionen verbunden sind“ (332), wobei diese „Phase der Gewalt“ nicht lange andauere, „weil sie für den Körper zu anstrengend ist“ (333). Na dann, wenn sich die Täterinnen, nein, die Täter/innen, dabei unwohl fühlen und es nur kurz andauert, ist es nicht so schlimm. Hingegen schlimm ist die instrumentelle Gewalt, welche überwiegend ein männliches Phänomen sei – also nichts mit Täter/innen. Auf der ganzen folgenden Seite werden die Folgen dieser instrumentellen Gewalt letztlich nur für Frauen ausgebreitet. Wird erwähnt, dass Frauen ihre Partner gravierend verletzen können (Konjunktiv!), folgt auf den Fuß der „weibliche“ Indikativ: „Bei den weiblichen Opfern ist die Verletzungshäufigkeit wesentlich höher“. Schlussendlich kann man doch in einem Bericht zur Situation der, in einer Partnerschaft Gewalt erfahrenen Männer mit diesem feministischen Weltbild nur konkludieren:

Von Männern ausgeübte Partnergewalt hat also die dramatischeren Folgen, selbst wenn man in Betracht zieht, dass Männer leichte Verletzungen wie blaue Flecken möglicherweise eher als „normal“ betrachten und dass sie sich für die erlebte Gewalt noch mehr als die Frauen schämen und sie deshalb verschweigen, weil zusätzlich zur empfundenen Demütigung und Hilflosigkeit auch ihre „Männlichkeit“ in Frage gestellt wird. Es bleiben aber die unterschiedlich häufig auftretenden schweren Verletzungen – und eine Tatsache, die ein für die Pilotstudie interviewter Experte so ausdrückte: „Wenn eine Frau mit ganzer Kraft zuschlägt und wenn ein Mann mit ganzer Kraft zuschlägt, dann hat dies unter Umständen eine ganz andere Wirkung“ (Forschungsgemeinschaft, 2004, S. 222).

Unter Umständen, ja, und nicht unter gewissen Umständen, sondern ganz sicher, lieber Experte, sind Sie aus meiner Sicht ein ABC. Anschließend wird noch darauf hingewiesen, dass Männer öfter psychische Gewalt als körperliche durch ihre Partnerinnen erfahren würden, diese, da viel schwerer eindeutig zu definieren, nicht sinnvoll errechnet werden kann. Ist ja auch nicht wichtig. Psychoterror ist ja nicht so schlimm.

Den Abschluss meiner Einlassungen bildet ein Zitat (334), welches meine Leser selber einordnen sollen:

Am schwierigsten sind aussagekräftige Prävalenzschätzungen bei sexueller Gewalt gegen Männer. Auch in der Pilotstudie gab es nur eine Handvoll Befragte, die davon berichteten – so wenige dass man nur feststellen kann: Es gibt sexuelle Gewalt von Frauen gegen Männer, es gibt Frauen, die ihre Männer zu sexuellen Handlungen zwingen oder es versuchen bzw. ihnen ihre sexuellen Bedürfnisse rücksichtslos aufzwingen. Die (im scharfen Gegensatz zu den unendlich viel häufigeren sexuellen Gewalterfahrungen von Frauen in der Partnerschaft [Hervorhebung, terminatus30], siehe Müller & Schöttle, 2004, S. 226 u. 229) sehr geringen Fallzahlen [Hervorhebung, terminatus30] lassen zwar auf eine untergeordnete Rolle der von Frauen ausgeübten sexuellen Gewalt in Partnerbeziehungen [Hervorhebung, terminatus30] schließen, in keinem anderen Bereich ist jedoch die Scham, Opfer zu sein, so hoch, keine andere Gewaltform stellt das männliche Selbstbild und -bewusstsein so in Frage.

Mac Gyver und die gute alte Zeit II

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Nachdem mein Beitrag Mac Gyver und die gute alte Zeit so gut aufgenommen wurde und ich mehrere Mails bekam, mit dem Wunsch, noch einmal auf das Thema einzugehen, werde ich die erste Liste hier gern mit euren Vorschlägen zu Männer und Jungenfilmen aus eurer Jugend oder aktuell ergänzen und freue mich auf eine rege Beteiligung eurerseits:

Vorschläge von Hans Alberts:

  • Masters and Commanders
  • Con Air

Vorschläge von Frauenopfer:

  • Blood in, blood out
  • Menace to Society
  • Der Duft der Frauen

Vorschläge von Mic Bartz:

  • Batman
  • Superman
  • On the Waterfront
  • Rebel without a Cause
  • From Here To Eternity
  • Quadrophenia

Von Carstus:

  • About Schmidt
    Mimik und Gestik sind teilweise der Hammer! (Bsp. 0:12)

Von Zhen:

  • Tora, Tora, Tora
  • Straw Dogs
  • Eyes Wide Shut
  • Rubbeldiekatz
  • Ozu’s Gesamtwerk

Von mir:

  • Casablanca
  • Pretty Woman
  • Giganten
  • Platoon
  • Im Westen nichts Neues
  • Dad

Was fehlt noch? Kennt ihr noch Filme, welche herausstreichen, was uns Jungen und Männer verbindet?