Tag: Februar 5, 2012

Entwurf einer Stellungnahme – Zur Modernisierung des Hochschulsystems

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In diesem Beitrag möchte ich meine Leser darüber informieren, was es Neues von der Europäischen Frauenrechtsfront zu berichten gibt.

Am 18.01. hat die Abgeordnete Andrea Cesková den Entwurf einer Stellungnahme des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter für den Ausschuss für Kultur und Bildung zur Modernisierung der Hochschulsysteme Europas (2011/2294(INI)) eingebracht.

Ich zitiere, und bitte die Akademiker unter meinen Lesern vorab, sich nicht zu sehr aufzuregen:

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter ersucht den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

A. in der Erwägung, dass 60 % der Hochschulabgänger Frauen sind, aber die meisten Führungspositionen an Hochschulen (z. B. Postdoktorandenstellen und Professuren) nach wie vor von Männern besetzt werden;

B. in der Erwägung, dass ein beunruhigend geringer Anteil von Frauen im Bereich der Forschung in Entscheidungsgremien vertreten ist, wobei dieser Anteil in Estland, Polen, Zypern, der Slowakei und der Tschechischen Republik am niedrigsten ist;

1. fordert Hochschulen, die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten auf, junge Frauen zu ermutigen, Fachrichtungen zu studieren, in denen Frauen weiterhin unterrepräsentiert sind, insbesondere Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwissenschaften und Mathematik, und sie über ihre Möglichkeiten, Forscherinnen zu werden, und die Chancen, die ihnen in der Forschung, einschließlich der angewandten Forschung, offenstehen, zu informieren, um auf diese Weise brachliegende Talente zu entfalten;

2. fordert Hochschulen und Fachhochschulen auf anzuerkennen, dass weibliche Lernende häufig besondere Verantwortlichkeiten außerhalb des Lernumfelds haben und beispielsweise kleine Kinder oder ältere Angehörige betreuen;

3. hält es für notwendig, die Kriterien für eine Beförderung in leitende forschungsorientierte Positionen (z. B. Professuren) zu überprüfen, um diesbezüglich eine konsequente Gleichstellungspolitik zu verfolgen und den Mangel an Frauen in diesen Positionen zu beheben, und anzuerkennen, dass Frauen weitaus eher als ihre männlichen Kollegen ihre Berufstätigkeit unterbrechen, um eine Familie zu gründen;

4. erinnert daran, dass die Hochschulausbildung Frauen mit den notwendigen Mitteln ausstatten sollte, bessere Positionen im privaten Sektor zu erreichen und ihre unternehmerischen Fähigkeiten zu entwickeln und auf diese Weise zu Wachstum und Arbeitsplätzen in der EU beizutragen; betont deshalb, dass Frauen ermutigt werden sollten, sich aktiv an Partnerschaften zwischen Hochschulen und dem privaten Sektor zu beteiligen, z. B. in Form von Unternehmensgründungen oder Ausgliederungen;

5. fordert Hochschulen und Fachhochschulen auf, die Vertretung von Frauen in Entscheidungsgremien im Bereich der Forschung zu erhöhen, um auf diese Weise mehr Frauen für eine Tätigkeit im Hochschulwesen zu gewinnen;

6. bekräftigt, dass die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen weiterhin sehr besorgniserregend ist und im Bereich der Hochschulausbildung Forscherinnen und Professorinnen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen auf derselben Ebene;

Meine Lieblingssätze sind: „hält es für notwendig, die Kriterien für eine Beförderung in leitende forschungsorientierte Positionen (z. B. Professuren) zu überprüfen“, sprich Frauen jetzt schon leistungsunabhängig zu bevorzugen und „fordert Hochschulen und Fachhochschulen auf, die Vertretung von Frauen in Entscheidungsgremien im Bereich der Forschung zu erhöhen, um auf diese Weise mehr Frauen für eine Tätigkeit im Hochschulwesen zu gewinnen;“ soll heißen, illegitimer Weise Frauen in Entscheidungsgremien zu hiefen, nur, um dadurch mehr Frauen in die Hochschulen zu bekommen. Das heißt, auch hier geht es nicht mehr um eine Bevorzugung bei besserer Qualifikation, nein, hier geht es um die „Vorbildfunktion“.

Eine Frau muss Rektorin werden, ungeachtet ob es zehn besser qualifizierte Männer gebe, um zu zeigen, dass Frauen diesen Job auch ausfüllen können.

Hanebüchener geht es nicht mehr. Wirklich nicht mehr, ohne jeglichen Beleg. Aber, wie gesagt, nicht aufregen. Man muss sich nur immer Gewahr bleiben, dass die erste Aufgabe dieses Ausschusses, nach Selbstauskunft, folgende ist:

  1. die Definition, die Förderung und den Schutz der Rechte der Frau in der Union und damit verbundene Gemeinschaftsmaßnahmen;

Noch etwas am Rande. Für meine I-net affinen Leser. Als ich FEMM das erste Mal ansurfen wollte, erhielt ich folgende Meldung meines PeerBlock’s:

Was das wohl zu bedeuten hat 🙂

Widerstandsrecht und Rechtsgeltung

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In den letzten Tagen wurde vermehrt, von mir und von anderen die Frage nach dem Widerstandsrecht und der Legitimation von Recht gestellt.

Ich habe in Voltaire, immer wieder Voltaire abschließend die Frage nach der Legitimation von Recht und damit einhergehend von Macht über Menschen, die nicht am Diskurs teilnehmen können um einen demokratischen Prozess einer sich ändernden Rechtswirklichkeit in Gang zu setzen, aufgeworfen. Dieser möchte ich hier nachspüren.

Widerstandsrecht und Rechtsgeltung
Das Widerstandsrecht stellt in erster Linie ein Abwehrrecht des Bürgers gegenüber der Staatsgewalt dar (cf., Nitschke: Widerstandsrecht, in: Prechtl et al.: Metzler Philosophie Lexikon, 661). Dabei wird die Pflicht zum Rechtsgehorsam aufgrund überpositiver Rechtsverbindlichkeiten (cf., Höffe: Widerstandsrecht, in: Ders.: Lexikon der Ethik, 291f.), in Rekurs auf das Naturrecht, aufgehoben; Widerstand, zumeist passiv und gewaltlos sittlich legitimiert. Überpositive Rechtsverbindlichkeiten speisen sich aus einer naturrechtlichen Legitimation. Das Naturrecht wird hierbei als „höheres Recht, das dem faktisch geltenden Gesetzesrecht, Gewohnheitsrecht oder Richterrecht, d.h. dem positiven Recht insgesamt übergeordnet … [sei, terminatus30]“ (Maus: Naturrecht, in: Sandkühler [Hg.]: Enzyklopädie Philosophie, A-N, 922ff.) postuliert. Nicht ganz unrecht hat Marcic, wenn er darauf hinweist, dass am „Ende der Widerstand Sanktion des Seinsrechts … [ist, terminatus30]“ (Marcic: Rechtsphilosophie, 276). Er verkennt jedoch in gleichem Maße einerseits, dass es „in der Kultur eines Volkes allgemein anerkannte ethische Prinzipien, die seine Lebensform, mag sie auch hohe Flexibilität besitzen, mitkonstituieren“ (Ellscheid: Recht und Moral, in: Kaufmann et al. [Hg.]: Einführung in Rechtsphilosophie und Rechtstheorie der Gegenwart, 227) gibt und andererseits, dass „die Ablösung der Rechtsgeltung von allen moralischen Prinzipien nur haltbar ist in einer Periode, in der das positive Recht bereits eingelebte und noch lebendige fundamentale moralische Prinzipien integriert hat“ (Ibid., 228). So erscheint es, aus diesen einleuchtenden Kritikpunkten heraus betrachtet, unter gewissen Umständen legitim zu sein, Widerstand zu leisten, obwohl ein Widerstandsrecht formal nicht gegeben ist, ein Rechtsbruch im Sinne des positiven Rechtes somit vorliegt – es nicht legal ist, so zu handeln. Wir erkennen, im Nachhinein, die Handlungen der Geschwister Scholl, die Handlungen von William Wallace als legitimes Mittel des Widerstands gegen ein unterdrückerisches System an.

In der heutigen Zeit scheint sich ein Widerstandsrecht – legitimiert oder nicht – in den westlichen Demokratien überlebt zu haben. Bürger haben das Recht zu wählen, über aktive Teilnahme am politischen Prozess die Möglichkeit, mit dafür Sorge zu tragen, dass in ihren Augen falsche Gesetze revidiert werden – so die Theorie. Es wird hier ein reziprokes Prinzip des Rechtsgehorsams im Austausch für Partizipation vorausgesetzt. Freilich sieht sich dieses Prinzip in mehrfacher Hinsicht heutzutage torpediert. Einerseits werden in einer multikulturellen Gesellschaftswirklichkeit immer noch mehrheitsbindende ethische Prinzipien, mit Verweis auf gleichberechtigt-pluralistische Deutungen von Lebensformen nicht mehr als rechtskonstituierend angesehen, andererseits führen gerade diese nicht-rechtswirksamen ethischen Pluralismen zu totalitären Deutungsmustern, welche eine demokratische Partizipation, eine Einbringung von Meinungen in den rechtlichen Diskurs schon im Vorhinein verhindern. Zwar wird nicht verhindert, seine Meinung kundzutun, es wird jedoch verhindert, diese breitenwirksam kundzutun. Vor diesem Hintergrund erreicht passiver Widerstand gegenüber feministisch orientierter Gesetzsprechung Plausibilität und Legitimität. Der Philosoph Spaemann spricht von einer „Tyrannei der herrschenden Meinung anstelle des Wahrheitsanspruchs“ und rezitiert im Interview mit dem SF Spinoza (39:15 ff.):

Spinoza, einer der Begründer der modernen Freiheitstheorie, sagte einmal: Solange man die öffentliche Gewalt, solange man die herrschenden Meinungen kritisieren darf, muss man den Gesetzen gehorchen, auch dann, wenn sie meiner Meinung entgegen sind. Wenn es nicht mehr erlaubt ist, die Gesetze zu kritisieren, braucht man ihnen nicht mehr zu gehorchen. Denn dann darf er nicht mehr unsterstellen, dass die Herrschenden überhaupt Interesse an der Wahrheit haben.

Dies trifft auf bestimmte politische Meinungen zu, die man nicht mehr breitenwirksam äußern kann – wie wir Männerrechtler dies auch bezüglich des Gleichstellungsfeminismus‘ feststellen.

Obzwar ich nicht so weit gehen möchte, bin ich doch der Meinung, dass eine Form des Widerstandes, wie sie das moderne Lebowskytum insinuiert, angebracht ist. Ungeachtet der feministischen Kritik an der Unwilligkeit sich im feministischen Sinne zu ändern, hat eine solche Rückbezüglichkeit auf sich selbst, seine Bedürfnisse, für den Mann auch Vorteile.

Es ist dies eine Möglichkeit, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm noch möglich ist, ohne sein Mannsein zur Gänze zu verlieren. Denn letztlich sind wir doch alle zum Mannsein geboren!