Zensieren die ‚Salzburger Nachrichten‘?

Gepostet am Aktualisiert am

Unter dem Titel Kontroverse. Andreas Unterberger, Ex-Chefredakteur von Presse und Wiener Zeitung und Katharina Krawagna-Pfeifer, ehemalige Innenpolitikchefin des Standard, im Diskurs, gibt es jeden Freitag in den Salzburger Nachrichten eine Doppelkolumne besagter Autoren, in welcher sie sich zum gleichen, von der SN-Redaktion vorgeschriebenen Thema, ohne zu wissen, was der/die Andere schreibt, äußern (Siehe HIER).

Das gestrige Thema war: Gehen Frauen zurecht früher in die Pension?

Krawagna-Pfeifers Aussagen und Behauptungen waren in meinen Augen so nicht haltbar, darum habe ich diese folgendermaßen kommentiert:

Es stimmt, wenn es schwierig wird oder wurde müssen und mussten die Frauen dran glauben. Im Krieg, als Millionen Männer und junge Männer dahingemetzelt wurden, mussten die Frauen dran glauben, denn Sie waren es, die das Leid, den Tod der Ihrigen beklagten, dass da nicht selten „Ḕtā̀n ḕepì tâs“ ihr Motto war, fällt nicht ins Gewicht.

Wahrlich, immer, wenn es schwierig wird, müssen Frauen dran glauben. Auch in der Arbeitswelt, vor allem, wenn es um die Schwerarbeit geht, müssen Frauen dran glauben. Dabei spielt es keine Rolle, dass laut ‚Statistik Austria‘ in der gesetzlichen Pensionsversicherung 2010, 2395 Schwerarbeitspensionen zu finden waren – darunter waren nur 100% Männer.

Ja, jetzt ist es wieder soweit, „Frauen hört die Signale“, ihr sollt um fünf Jahre länger arbeiten, um, hört hört die Dritte, die Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Ärmel aufkrempeln und los geht’s, wie bei den Trümmerfrauen damals, die den Schutt beseitigt und, wie uns die Feministinnen lehren, den Staat ganz allein wieder aufgebaut haben. Wo waren da eigentlich die Männer? Ach ja, die waren ja tot oder in Gefangenschaft und die alten Männer und die Jugendlichen haben damals nicht mitgeholfen, ich weiß. Schlimm ist das allemal, „müssen“ die Frauen ja schon um – im Schnitt (2010) 5,76 Jahre länger leben als die Männer. Und dann noch 5 Jahre länger arbeiten, geht’s noch?

Ja, Frauen sind in fast allen Bereichen benachteiligt. Was bedeutet das eigentlich, benachteiligt? Wenn ich 100 Meter nicht in 10 Sekunden laufen kann, bin ich dann benachteiligt oder trage ich daran, insofern ich die Fähigkeit besitze, auch selbst Schuld, kann das sein? Wenn ich nun weniger verdiene, ist dann eine patriarchale Weltverschwörung, eine gläserne Decke, die so gläsern ist, wie es die Kleider des Kaisers sind, schuld?

„Ihr Verdienst ist weit geringer.“
Ja, mein Verdienst ist auch weit geringer als der eines Studienkollegen, welcher Informatik studiert hat, deswegen plärre ich hier aber auch nicht rum.

„Im Durchschnitt bekommen Frauen für gleichwertige Arbeit rund 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.“
Gut gebrüllt Löwe, nur nicht mehr allzu laut. Dann müsste es ja Tausende Klagen diesbezüglich geben, mir ist keine einzige bekannt. Frau Heinisch-Hoschek spricht nur mehr von 16% im Bundesdienst und in der Privatwirtschaft, wo man selber für sich einstehen muss, da sind es dann, wieviel?, ach ja 40%. Vielleicht sollt der geneigte Leser einmal hier: http://sciencefiles.org/2011/04/20/gender-pay-gap-ideologie-und-wirklichkeit/ und hier: http://manndat.de/feministische-mythen/eine-legende-broeckelt-nun-auch-offiziell.html reinlesen und sich über die Begrifflichkeit der „Gleichwertigkeit“ klar werden.

„Karriere ist hingegen nicht für sie vorgesehen.“
Nein, der große Manitu hat die Karriere nur Männern vorbehalten. Frauen dürfen nicht eigene Betriebe gründen und alle Risiken tragen, die damit verbunden sind. Auch innovativ dürfen Frauen nicht sein. Sie dürfen keine Erfindungen machen und rund 95% der Patentanmeldungen, wie Männer stellen. Das alles bleibt ihnen trotz GirlsDay und Gleichstellungsbeauftragten, Förderprogrammen verwehrt.

„In den Führungsetagen und in den Aufsichtsgremien großer Unternehmen sind Frauen stark unterrepräsentiert.“
Sind sie das? Wenn sich von 100 Jungen 10 für Mathematik interessieren und von 100 Mädchen 5, und sich die Begabungen im Hochbegabungsbereich streuen, sind Mädchen, Frauen dann in der Mathematik unterrepräsentiert?

„Der Frauenanteil in Chefetagen ist traditionell niedrig und stagniert seit Jahren. In der Geschäftsführung liegt der Frauenanteil bei nur 4,6 Prozent; im Aufsichtsrat bei neun Prozent.“
Ja, und der Anteil unter Apothekerinnen, Ärztinnen und mittlerweile Rechtsanwältinnen ist (traditionell) hoch. Der weibliche Anteil der angestellten Pharmazeuten beträgt laut ‚Österreichische Apothekerkammer‘ für 2011 87%, der Anteil der weiblichen Kindergartenpädagogen gar bis zu 99%, traditionell versteht sich. Eine Schweinerei aber auch, ich fordere die Quote. Diese Quote würde allerdings nicht nur einige Dutzend Politikerinnen und ohnehin schon Alphafrauen treffen sondern die breite Öffentlichkeit, die wohl, wie es scheint, nicht so interessant ist.

„Dafür sind Frauen mehrfach belastet.“
Ja, das sind sie, dafür natürlich und daneben sie noch dran glauben müssen.

„Sie kümmern sich nach wie vor in erste Linie neben dem Job um Haushalt und Kindererziehung.“
Sie, wer ist eigentlich „Sie“. Die 40% kinderlosen Akademikerinnen, die auch davon profitieren, wenn die Pensionsalterangleichung noch nicht kommen würde? Bei einer duchschnittlichen Fertilitäsrate von 1,3 (2006) Kindern/Frau generell von KindERerziehung zu sprechen scheint mir auch gewagt zu sein. Was hat die Marktwirtschaft eingentlich mit Ihrem Haushalt zu tun? Es ist mir doch ganz Wurst wer bei Ihnen wie oft Staub saugt oder die Betten macht, wer kocht, die Regale aufbaut, die Winterreifen wechselt, den Computer einrichtet, den Boden legt. Das geht mich nichts an und ist auch kein Argument, wenn es darum geht, dass ich, als Mann, über das Umlagesystem Frauen, die sowieso schon länger leben noch einen früheren Pensionsantritt mitfinanzieren soll. Wenn alles so einfach wäre. Ich fühle mich diskriminiert.

„Wenn dieser Lebensabschnitt vorbei ist, leisten sie den Großteil der Pflegearbeit. Die Diskriminierung der Frauen endet nicht im Pensionsalter, sondern da wird sie noch vertieft: Während Männer auf ein durchschnittliche monatliche Pension von 1288 Euro kommen, beläuft sich diese bei Frauen lediglich auf 786 Euro.“

Ja, die emanzipierten Nach68er-Frauen leisten den Großteil der Pflegearbeit. Genau. Und dann werden sie noch dazu diskriminiert, indem sie nicht, für weniger Versicherungsmonate mehr Pension ausbezahlt bekommen. So geht das nicht.

„Frauen werden außerdem vom Arbeitsmarkt früher „ausgemustert“ als Männer.“
Das wird der Grund dafür sein, dass rund 2/3 der Arbeitsplätze im ÖD in Schweden beispielsweise von Frauen besetzt sind und von Männern in hohem Maße querfinanziert werden.

„Wird eine Frau mit 50 Jahren arbeitslos gilt sie de facto als nicht mehr vermittelbar.“
Das stimmt, 50jährige, arbeitslose Männer gibt es keine, die sind sehr leicht vermittelbar. Vielleicht sollten Sie einmal eine Computerschulung beim AMS besuchen. Dort sind ganz selten Männer mittleren Alters zu finden.

„Das Risiko, in Armut abzugleiten, ist für Frauen deutlich höher als für Männer. Jede dritte allein lebende Pensionistin in Österreich ist armutsgefährdet. Dass Frauen früher als Männer in Pension gehen dürfen, ist daher mehr als gerechtfertigt.“

Männer gleiten nicht in Armut ab, niemals, sie schlafen auch nur unter Brücken. Die verquere Logik dahinter wäre, wenn Frauen früher in Pension gehen dürften, wie bisher also, dann wäre nicht jede dritte Frau in der Pension armutsgefährdet. Dh. wenn Frauen noch weniger Versicherungszeiten nachweisen können, ist ihre Gefährdung im Alter arm zu werden, geringer? Da muss ich etwas nicht verstanden haben. Man möge es mir verzeihen habe ich doch nur ein systematisches Männerhirn.

„Es besteht nicht der geringste Grund, die derzeitige Rechtslage, wonach das gesetzliche Pensionsalter von Frauen ohnedies ab 2024 bis 2033 an das der Männer anzugleichen ist, früher zu kippen.“

Genau so sehe ich das auch, warum auch, 20 Jahre sind ein Tag.

Zwei Screenshots des Kommentars bzw. der Bestätigung über die Eingabe des Kommentars könnt ihr hier sehen:

Ich frage mich also, warum mein Kommentar bis dato noch nicht freigeschaltet wurde. Wenn es darum geht, sarkastische, im Tonfall unpassende Kommentare zu Herrn Unterbergers Kolumne freizuschalten, sind die Redakteusen der SN nicht so zimperlich.

Was bezwecken die SN damit? Zensieren die SN?

2 Kommentare zu „Zensieren die ‚Salzburger Nachrichten‘?

    Max Kuckucksvater sagte:
    Februar 4, 2012 um 5:17 pm

    Um einen Kommentar, der von der eigenen Vorstellung abweicht, nicht zu löschen und somit stehen zu lassen, bedarf es Integrität. Besonders, wenn Ironie und Zynismus vereint mit Fakten den Inhalt des Autoren zerlegen.

    Damit steht die SN nicht alleine da. Die taz aus Berlin sperrt sogar ganze Kommentarmöglichkeiten, wenn diese abermals einen Artikel veröffentlichten, der nachweisbar Falschinformationen propagiert und Männer diskriminiert.

    Den Tatsachen verschließen sie sich offensichtlich und sind somit unbelehrbar.

    Was sollen sie auch statt Zensur machen, wenn ihnen Argumente fehlen?

      terminatus30 geantwortet:
      Februar 4, 2012 um 6:33 pm

      Ich lese nun auch des Öfteren die Online-Artikel der großen Formate und überfliege die Kommentare. Ich erwehre mich nicht des Eindruckes, dass die veröffentlichte Meinung so langsam diametral entgegengesetzt der Meinung des Volkes ist. Dass eine solche Zensur nicht auf Dauer erfolgreich sein kann, dafür stehen nicht zuletzt die sinkenden Absatzzahlen der großen Mainstreammedien und das ist gut so. Was das anbelangt, wird sich in der nächsten Generation einiges tun. Zum einen, geht bald die 68er Generation in Pension und zum anderen kommt eine internetaffine Generation nach.

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