Wofür ich stehe

Gepostet am Aktualisiert am

Seit dem Präsidentschaftswahlkampf ’08 begleitet mich der republikanische Kongressabgeordnete Ron Paul. Er, ich würde ihn als konservativen Libertären bezeichnen, steht im Jahr 2012 wie kaum ein anderer Politiker für Aufrichtigkeit und Integrität in der politischen Landschaft der Vereinigten Staaten. Mich persönlich fasziniert, wie Ron Paul im republikanischen Vorwahlkampf die Massen mobilisieren kann.

Es zeigt sich einmal mehr, wie sehr sich die Menschen nach Familie, Geborgenheit, Aufrichtigkeit, Freiheit und Partizipation sehnen. In den letzten Jahrzehnten ist nicht nur in den Vereinigten Staaten so Einiges falsch gelaufen, auch bei uns in Europa.

In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, wie meine politische-kulturelle Positionierung aussieht. Meine Leser werden wissen, jedenfalls diejenigen, welche schon zu Beginn dabei waren, dass ich grob gesprochen vom Konservativen, über den Liberalen zu demjenigen Menschen wurde, der ich jetzt bin. Doch wer oder was bin ich heute, wofür stehe ich?

Ich glaube, ich sehe mich in vielen Bereichen als konservativ-libertären Kommunitaristen. Weder postmarxistischer Sozialismus noch Liberalismus in Reinform haben mich, aus nachvollziehbaren Gründen, überzeugt. Ich bin Demokrat, wenngleich ich weiß, dass die Demokratie systemimmantente Mängel aufweist, letztlich in enger Umarmung mit dem Kapitalismus zu einer oligopolartigen Fixierung der Macht führt (Stichwort: Bilderberger). Ich sehe mich als Humanisten und Rationalisten. In ethischen Fragen neige ich zu Kant und Aristoteles, zum Kategorischen Imperativ, zur Goldenen Regel. Ich sehe mich als non-theistischen Agnostiker. Ich erkenne den Wert von Religion an. Wofür steht ihr?

4 Kommentare zu „Wofür ich stehe

    Clochard sagte:
    Februar 4, 2012 um 9:30 am

    Lustig, wir dürften ziemlich ähnlich ticken.
    Bis zur Mitte meines Studiums war ich gemäßigt links. Später wurde ich vernünftig, weil ich immer mehr zur Einsicht kam was und wie Linke sind und wofür sie stehen. Für mich zentrale Werte wie Toleranz und Freiheit haben in der Linken keinen Platz.
    Heute fühle ich mich von keiner einzigen Partei angemessen vertreten und würde mich, ähnlich wie du, als einen rational-humanistischen Liberalen bezeichnen.
    Viele der, den Liberalismus kritiisierenden Ansätze im Kommunitarismus teile ich, die Zentrierung auf die Familie lehne ich allerdings ab.
    Ich halte die überkommene Famlie in ihrer rechtlichen Ausprägung für ein anachronistisches männerunterdrückendes Instrumentarium. Irgendetwas muss natürlich ihren Platz einnehmen, aber mir ist selbst auch noch nicht klar, was genau das sein könnte.
    Auch ich bin Agnostiker der pragmatischen Richtung, habe aber kein Problem mit Religionen solange ich durch diese in einem laizistischen Staat keinerlei Einschränkungen unterworfen bin und es Menschen gibt, die Religionen brauchen um Halt zu finden.

      terminatus30 geantwortet:
      Februar 4, 2012 um 10:40 am

      Ich würde sogar für mich in Anspruch nehmen, während des Studiums gedanklich weit links gewesen zu sein, freilich in keinem radikalen Sinne. Man sieht ja, wie tolerant die Linken waren, als Jan Fleischhauer „Unter Linken“ herausbrachte. Witze über Linke reißen fällt nicht mehr unter Freiheit der Kunst. Ich glaube, ich würde mich eher als rational-humanistischen (konservativen) Libertären bezeichnen (du siehst, ich bin ein Eklektiker) – wobei das Kommunitaristische seinen Platz hat.

      Das „Problem“ mit der Familie ist doch Folgendes. Eigentlich wünscht sich jeder, jedes Kind eine Kernfamilie: Papa, Mama, Kind (Geschwister). Als rational denkender Mann kannst du, bei der jetzigen Gesetzeslage eine solche Familienform, zumindest staatlich legitimiert, jedoch nicht mehr anstreben. Was bleibt? Da sehe ich das Problem. Ich sehe Leihmütter, ich sehe Samenbanken, bei denen sich Frauen bedienen, ich sehe eine weitere Relativierung des „Vaterseins“. Darum halte ich persönlich an diesem „Ideal“ fest, natürlich nicht ohne darauf zu verweisen, dass hier im Familien- und Eherecht noch sehr viel geschehen muss.

    Martha sagte:
    Februar 6, 2012 um 5:54 pm

    Im amerikanischen Wahlkampf bevorzuge ich Rick Santorum, aufgrund seiner weltanschaulichen Positionierung. Allerdings würde ich Ron Paul gegenüber Mitt Romney vorziehen. Das sagt so ziemlich alles über meine Position aus.
    In Österreich habe ich einer bestimmten kinderreichen Politikerin meine Vorzugsstimme gegeben…
    Mei, wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz, wer aber mit 30 immer noch links ist, hat kein Hirn.
    Ich weiß nicht, wer den Spruch erfunden hat, aber er ist gut! Er klingt nach Franz-Joseph Strauß.
    Die Familie ist eine Grundkonstante im menschlichen Leben, in welcher Ausprägung auch immer. Der Missbrauch durch verschiedene Männer und Frauen quer durch die ganze Geschichte hindurch spricht nicht gegen ihren wesentlichen Wert.
    Gott sei Dank bedienen sich nur wenige Frauen der Samenbanken. Aber auch diese Kinder haben das Recht, den Namen ihrer Väter zu kennen und sie suchen sie ja auch, wie schon Medien berichteten. Anonyme Samenspenden gehören verboten. Abgesehen davon, es könnte ein bereits erwachsenes Kind aus einer anonymen Samenspende auf ein anderes erwachsenes Kind mit einem gleichen Samenspender stoßen und sich dann verlieben, wie es halt so ist. Das wäre ja dann Inzest.

      terminatus30 geantwortet:
      Februar 6, 2012 um 7:33 pm

      In der Tat Martha, so kann man Ihre politische Positionierung ganz gut „erahnen“. Persönlich sehe ich Romney nicht als Republikaner – ob ein Multimillionär, der jetzt noch Unterstützung von Donald Trump erhalten hat, wirklich für die normalen Wähler stehen kann, das wage ich zu bezweifeln – und Santorum ist mir zu rechts-konservativ, um dieses Label zu bemühen. Sein letztes CNN-Interview, vor allem im Hinblick auf den Iran, hat mich nicht überzeugt. Paul verkörpert in gewisser Weise all‘ das, was uns seit den 60ern verloren gegangen zu sein scheint, ohne reaktionär, altbacken zu wirken.

      Ich finde, er ist mit seinen Forderungen topaktuell und durch seine libertäre Haltung wird er, bei uns würde man wieder von multi-kulti schwafeln, verschiedenen Ansätzen gerecht. Was mich gegenüber dem propagierten Zeitgeist sehr positiv überrascht hat, ist sein Anklang bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

      Ich glaube, er wird in der potentiellen Wählerschaft zwischen 18 und 29 regelmäßig mit knapp 50% gehandelt. Das sagt schon etwas aus.

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