Tag: Januar 29, 2012

Lesbische Instrumentalisierung homosexuellen Leides

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Eigentlich bin ich der Meinung, dass sich meine homosexuellen Mitstreiter selbst gegen Instrumentalisierungen aus der lesbischen Ecke zur Wehr setzen sollten, sehe ich mich, wenn ich diesbezüglich meine Stimme für meine Mitmänner erhebe doch immer! dem Vorwurf, ein, die heterosexuelle Matrix propagierender Sexist, Antifeminist, Frauenhasser und Patriarch – nebenbei noch rechtsradikaler konservativer Reaktionär – zu sein, ausgesetzt.

Dennoch komme ich dieses Mal nicht umher, einen neuen Kurzbeitrag, gefunden auf emma.de, zu kommentieren.

Unter der Rubrik News, HOMO-MAHNMAL Neuer Film: Jetzt dürfen auch Frauen küssen, ist u.a.zu lesen:

Mit zwei Jahren Verspätung ist es jetzt so weit: Im Berliner „Mahnmahl für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ sind die homosexuellen Frauen nicht länger unsichtbar.

… Nach der Präsentation des Films im „Ort der Information“ des Holocaust-Mahnmals, bei dem die offen homosexuelle Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer [Hervorhebung, terminatus30] den Festvortrag hielt, nahmen rund 200 Gäste an einer Kranzniederlegung am Mahnmal teil. …

EMMA hatte 2008 mit einer Kampagne gegen die Ignoranz homosexueller Frauen [Hervorhebung, terminatus30] im Mahnmal protestiert und mit rund 1.500 UnterstützerInnen – von Hella von Sinnen bis Ralf König – erreicht, dass der Film im Inneren des Mahnmals alle zwei Jahre ausgetauscht werden soll. Im Jahr 2010 wäre es also so weit gewesen, aber die Jury ließ sich zwei Jahre länger Zeit. Nun dürfen also auch Frauen küssen – besser spät als nie.

Mein erster Kontakt mit der Diskussion um das Mahnmal kam über den Film „Unter Linken“, von Jan Fleischhauer, zustande. Darin stellte er bei einer Pressekonferenz – anwesend auch Chantal Louis von der EMMA – die berechtigte 😉 Frage, ob man nicht auch den Transsexuellen und Transgendern zu gedenken hätte, was natürlich von Frau Louis bejaht wurde. Dass eine solche Einlassung, ungeachtet ihrer Realitätsferne, in Österreich, hier vor allem in der Genderzentrale Europas: Wien, auf fruchtbaren Boden fallen würde, braucht nicht erwähnt werden. In Wien gibt es bereits seit 2006 ein Mahnmal zum Gedenken an die homosexuellen und transgender Opfer des Nationalsozialismus. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, dass die Begriffsgenese von „Transgender“ erst in die 1970er fällt.

Ebenso spielt es in Deutschland, in der EMMA-Direktion keine Rolle, dass in der Nazi-Zeit zwar 100 Tausende homosexuelle Männer litten, über die Paragraphen 175 und 175a RStGB verfolgt und nach Schätzungen zwischen 5 und ca. 7.500 Homosexuelle in KZ’s ums Leben kamen, währenddessen Lesben nicht verfolgt wurden und nicht unter den Paragraphen 175 fielen. Daher auch das zynische „mit zwei Jahren Verspätung“ und der Verweis auf die „Kampagne gegen Ignoranz homosexueller Frauen“. Ja, meine homosexuellen Mitstreiter, ihr seid ignorant, wenn ihr nicht auch ein Mahnmal für die Lesben zulasst. Im verwiesenen Artikel, unter dem Titel: „NS-Verfolgung von Lesben wird weiter geleugnet“, fanden die Redakteusen damals den Streit als kläglich-kleinlich und verwehrten sich dagegen, dass schwule Lobbyisten das Gedenken an die Frauen verhindern wollten. Interessant auch, dass die EMMA-Journaille die Behauptung, dass der Paragraph 175 nur für homosexuelle Männer gegolten hatte, als dreist, nicht jedoch als unwahr bezeichnet. Dreist, da es ja Frauen gab, die aus erzieherischen Maßnahmen für einen Monat ins Gefängnis gesteckt wurden.

Doch auch die Strafakten des Hamburger Staatsarchivs ergaben auch ohne den § 175 Verurteilungen wg. weiblicher Homosexualität: „Um der Angeklagten klar zu machen, dass sie künftig ihre Neigungen in dieser Hinsicht im Zaume zu halten hat, glaubte das Gericht von einer Geldstrafe Abstand nehmen zu müssen und auf eine Haftstrafe von 1 Monat zu erkennen“, heißt es da zum Beispiel über die Angeklagte Thea Hasselfeldt.

Schlimm, allemal! Das heißt also, es gab kein Gesetz im strammen, nationalsozialistischen „Rechts“staat gegen weibliche Homosexualität, trotzdem waren diese, die weiblichen Homosexuellen, natürlich Opfer, welche in gleichem Maße auf das Mahnmal für getötete und misshandelte Homosexuelle während der NS-Zeit gehören. Das nenne ich eine Instrumentalisierung homosexuellen Leides für eigene Zwecke.

Da hilft dann auch der Verweis darauf, dass EMMA immer schon ein „geschlechtsneutrales“ Mahnmal wollte, nicht mehr. Wir kennen diese Salami-Taktik von der Gleichstellungsszene zur Genüge. Anderes Leid wird ignoriert oder gemindert, eigenes, „gefühltes“ Leid erhöht und dann die Diskriminierungs- und Gleichstellungs- bzw. Neutralitätskeule geschwungen.

Die uns heterosexuellen Männern in generi unterstellte Homophobie kulminiert eben bei vielen lesbischen Frauen in einen verschleierten elitären Sexismus, welchem eine zutiefst verinnerlichte Androphobie zugrundeliegt. Diese Androphobie betrifft naturlich auch euch, meine homosexuellen Mistreiter. Das letztlich Perfide daran ist jedoch die Gebarung als „Mitstreiterinnen“ gegen den heterosexuellen Mann, die heterosexuelle Zwangsmatrix.

Letztlich seid ihr, und da sitzen wir im selben Boot, für sie „auch nur Männer“, schlimmer noch, wie ich dereinst auf EMMA las, oft nur „hinter Büschen kopulierende“ Männer.

Tipp: Fleischhauer: Unter Linken (Teil II) (6:28 Auch schwule Männer sind letztlich Männer)