Tag: Januar 26, 2012

2. Österreichischer Männerbericht

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Als ich von Manifold heute Vormittag mit der Bitte um Stellungnahme, auf den 2. Österreichischer Männerbericht hingewiesen wurde, hoffte ich, dass beim zweiten Anlauf die Expertise von, an verschiedenen Instituten tätigen Professoren interdisziplinär erstellt wurde.

Falsch gedacht. Bereits auf der zweiten Seite des 468 Seiten starken „Berichtes“ wird einem deutlich präsentiert, dass der 2. Österreichische Männerbericht vom Institut für empirische Sozialforschung, seines Zeichens eine GmbH, ein kommerzielles Forschungsinstitut mit einem, laut VMÖ, Umsatz von 5,6 Millionen Euro, im Auftrag der männerpolitischen Grundsatzabteilung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, erstellt wurde. Wie wichtig dieser Bericht für das Ministerium zu sein scheint, zeigt sich noch vor jeder Lektüre, in der Anführung der „Wissenschaftlichen Mitarbeit“ oder in Klammer (Recherche). Die „Recherche“ übernahmen die beiden Magistra Völkl und Schuster, ihres Zeichens bei der IFES als Projektassistentinnen! angestellt. Egal, dachte ich mir, es geht ja nur um Männer und Jungen und erwartete den üblich ideologisch gefärbten Genderisten“müll“. Wieder richtig gedacht.

Im Vorwort (5f.) wird deutlich, dass die Autoren und Autorinnen etwas anderes unter einem Männerbericht verstehen als der zuständige Minister, Rudolf Hundsdorfer, der noch von einer „geschlechtergerechten Gesellschaft“, von einer Männerpolitik spricht, „die […] mit einer geschlechtergerechten Jugenderziehung und der Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Situation und der Bedürfnisse von Buben und Burschen“(4), beginne.

Die Autoren und Autorinnen hingegen sprechen in ihrem Vorwort, in welchem das Wort „Frau..“ 13x vorkommt, auch von Erkenntnissen, die „nicht nur“ aus der Männer- und Frauenforschung! gewonnen worden seien – es scheint in der Tat nicht möglich zu sein, einen Männerbericht ohne Berücksichtigung von Frauenanliegen zu erstellen -, von einem vertretenen, pragmatischen Ansatz, der zwar, insofern Expertenmeinungen eingeholt wurden, nicht den Anspruch erhebt, diese auch wissenschaftlich ausgewertet zu haben, dennoch, und dies scheint kein Problem für einen Bericht eines „Institutes“ zu sein, mit „politischen Handlungsanweisungen“ versehen ist.

Ich möchte, im Folgenden, kurz auf das Gewaltkapitel, speziell im partnerschaftlichen Kontext, eingehen. Zwar verfüge auch ich hier über keine Expertise, dennoch glaube ich imstande zu sein, auf gleichem akademischen Niveau wie die Rechercheusen des IFES, wissenschaftliche Ergebnisse präsentieren zu können.

In einem Unterbereich zu Punkt 2.5.5 Gewalt in der Familie, wird ab Seite 327 auf die Gewalt in der Partnerschaft eingegangen. Mit folgendem Zitat werden wir darauf eingestimmt, was gleich folgen wird:

„Ein Mann ist an diesem Ort,
Der seine Frau geprügelt hat!
Der seine Frau geprügelt hat!!
Es ist große Schande und Schmach
Für alle an diesem Ort,
Ja, so ist’s, so wahr ich lebe!!!“
(Shorter, 1977, S. 256)

Ja, in einem Männerbericht über Gewalt an Männern, wird im entsprechenden Gewaltkapitel, bezüglich der Gewalt in der Partnerschaft, einleitend ein Gedicht über einen, eine FRAU prügelnden Mann rezipiert. Doch dem nicht genug, erfahren wir anschließend über fast eine halbe Buchseite, dass es vor über 200 Jahren üblich war auf solche Verstöße gegen die Moral- und Wertvorstellungen in Dorfgemeinschaften und Städten, mit öffentlicher Publikmachung, dem sog. Haberfeldtreiben und „Vorführung der Täter“, zu reagieren. Interessanterweise gestehen die Autoren im Weiteren ein, dass dies auch für schlagende Frauen gegolten habe (soviel zum Patriarchatsmythos).

Doch das Haberfeldtreiben wurde regelmäßig auch im umgekehrten Fall aufgespielt: Paaren nämlich, in denen die Frau den Mann schlug, wobei die Ächtung der Dorfgemeinschaft manchmal den Mann und manchmal die Frau traf, weil beide ihre traditionellen Geschlechterrollen nicht ausfüllten, die Frau aber auch, weil in diesem Fall sie es war, die das akzeptierte Maß an Gewalt überschritten hatte, wie sonst eben ein prügelnder Ehemann.

Schon vor über 200 Jahren war folglich klar, dass auch Frauen regelmäßig Männer über das gesellschaftlich akzeptierte Maß hinaus drangsalierten und misshandelten. Doch den Autoren scheint diese, auf der Hand liegende Einsicht in weiterer Folge abhanden zu kommen. So kann man zwar lesen, dass es seit den 70er Jahren Forschungen über das fast gleichverteilte Erleben von Gewalt von Frauen und Männern gebe, diese Feststellung wird mit Verweis auf das „umstrittene“ Model der CTS (Conflict-Tactics-Scale) jedoch zu relativieren gesucht. Als „neutrale“ Leumundszeugin wird Frau Dr.In. Haller aufgeführt, die sogleich auf die ideologischen „Grabenkämpfe“ zwischen den Anhängern der CTS und der feministischen Gewaltforschung, was immer das wissenschaftlich betrachtet auch sein soll, hinweist, um eine scheinbare Gleichwertigkeit der beiden Parteien unterstellen zu können. Dass die eine Partei mittlerweile hunderte wissenschaftliche Studien, die falsifizierbar sind, vorzuweisen hat – ich als Laie konnte allein in an einem Wochenende über 100 Studien eruieren -, während die andere Partei auf ideologischen, unhinterfragbaren Grundannahmen aufbauend, nicht-falsifizierbare Behauptungen ausspricht, scheint irrelevant zu sein. Diese Gleichsetzung verwundert nicht, wenn man bedenkt sich mit den Arbeiten und Interessen von Frau Dr.In. Haller näher beschäftigt. Dr.In. Haller arbeitet am Institut für Konfliktforschung mit mehreren Interessensschwerpunkten, einem davon, wen wundert es, in Genderforschung. Im Frauenbericht 2010 schreibt sie im Kapitel 2.4. Beziehungsgewalt gegen Frauen – die natürlich nur von Männern ausgeht; in gleichgeschlechtlichen, weiblichen Partnerschaften gibt es keine Gewalt -, u.a. auf Seite 505 ganz wissenschaftlich neutral, Folgendes:

Seit Erscheinen des Frauenberichts 1995 war (und ist) die Bekämpfung von Männergewalt gegen Frauen ein wichtiges politisches Anliegen, da – in Anlehnung an eine deutsche Repräsentativerhebung – auch für Österreich anzunehmen ist, dass etwa jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren, die in einer Partnerschaft gelebt hat, Gewalt durch den Partner erfahren hat. …

Will man Männergewalt gegen Frauen nachhaltig verhindern, bedarf es allerdings einer Veränderung der Herrschaftsverhältnisse, die diese Gewalt erzeugen.

Da nützt die Feststellung, dass die „Tätigkeitsberichte der Interventionsstellen und Gewaltschutzzentren nicht widerspiegelten, wie viel Gewalt Männer in intimen Beziehungen tatsächlich erlebten“ (334) auch nichts mehr. Da es in Österreich keine repräsentative Erhebung zum Thema Gewalt in intimen Beziehungen gibt, was mich nicht wundert, wird auf eine uns bekannte deutsche Studie, „Gewalt gegen Männer“ vom BMFSFJ, aus dem Jahre 2004, mit dem Verweis darauf, dass es keinen Grund gebe, „warum die Relationen in Österreich anders sein sollten als in Deutschland“  (Ibid) zurückgegriffen. Mir stellt sich dann aber die Frage, warum es einen Grund geben soll, die Studien aus den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark, den USA und Neuseeland nicht zu verwenden? Sind diese Länder keine westlichen, christlich geprägten Länder? Anscheinend nicht. Zwar werden hier die Ergebnisse der Studie, so weit ich es eruieren kann, richtig wieder gegeben, es wird jedoch, so sehe ich das, tunlichst darauf geachtet einen relativierenden Standpunkt gegenüber weiblicher Gewalt einzunehmen. So beispielsweise hier (330):

Auffällig ist, dass es – anders als in der repräsentativen Studie über Gewalt gegen Frauen – bei den Männern für einige der besonders schwere Gewaltakte („verprügeln/zusammenschlagen“, „würgen/Versuch zu ersticken“, „mit Waffe verletzen“) keine einzige Nennung gab.

Übel wird die ganze Geschichte in meinen Augen dann, wenn die weibliche Gewalt mit Verweis auf „explosive Gewalt“ zu relativieren gesucht wird. Männer, so die Autoren, seien im Normalfall Opfer dieser Gewaltform. Dabei handle es sich „um Konfliktsituationen, die für die Täter/innen mit unangenehmen Gefühlen sowie deutlichen körperlichen Reaktionen verbunden sind“ (332), wobei diese „Phase der Gewalt“ nicht lange andauere, „weil sie für den Körper zu anstrengend ist“ (333). Na dann, wenn sich die Täterinnen, nein, die Täter/innen, dabei unwohl fühlen und es nur kurz andauert, ist es nicht so schlimm. Hingegen schlimm ist die instrumentelle Gewalt, welche überwiegend ein männliches Phänomen sei – also nichts mit Täter/innen. Auf der ganzen folgenden Seite werden die Folgen dieser instrumentellen Gewalt letztlich nur für Frauen ausgebreitet. Wird erwähnt, dass Frauen ihre Partner gravierend verletzen können (Konjunktiv!), folgt auf den Fuß der „weibliche“ Indikativ: „Bei den weiblichen Opfern ist die Verletzungshäufigkeit wesentlich höher“. Schlussendlich kann man doch in einem Bericht zur Situation der, in einer Partnerschaft Gewalt erfahrenen Männer mit diesem feministischen Weltbild nur konkludieren:

Von Männern ausgeübte Partnergewalt hat also die dramatischeren Folgen, selbst wenn man in Betracht zieht, dass Männer leichte Verletzungen wie blaue Flecken möglicherweise eher als „normal“ betrachten und dass sie sich für die erlebte Gewalt noch mehr als die Frauen schämen und sie deshalb verschweigen, weil zusätzlich zur empfundenen Demütigung und Hilflosigkeit auch ihre „Männlichkeit“ in Frage gestellt wird. Es bleiben aber die unterschiedlich häufig auftretenden schweren Verletzungen – und eine Tatsache, die ein für die Pilotstudie interviewter Experte so ausdrückte: „Wenn eine Frau mit ganzer Kraft zuschlägt und wenn ein Mann mit ganzer Kraft zuschlägt, dann hat dies unter Umständen eine ganz andere Wirkung“ (Forschungsgemeinschaft, 2004, S. 222).

Unter Umständen, ja, und nicht unter gewissen Umständen, sondern ganz sicher, lieber Experte, sind Sie aus meiner Sicht ein ABC. Anschließend wird noch darauf hingewiesen, dass Männer öfter psychische Gewalt als körperliche durch ihre Partnerinnen erfahren würden, diese, da viel schwerer eindeutig zu definieren, nicht sinnvoll errechnet werden kann. Ist ja auch nicht wichtig. Psychoterror ist ja nicht so schlimm.

Den Abschluss meiner Einlassungen bildet ein Zitat (334), welches meine Leser selber einordnen sollen:

Am schwierigsten sind aussagekräftige Prävalenzschätzungen bei sexueller Gewalt gegen Männer. Auch in der Pilotstudie gab es nur eine Handvoll Befragte, die davon berichteten – so wenige dass man nur feststellen kann: Es gibt sexuelle Gewalt von Frauen gegen Männer, es gibt Frauen, die ihre Männer zu sexuellen Handlungen zwingen oder es versuchen bzw. ihnen ihre sexuellen Bedürfnisse rücksichtslos aufzwingen. Die (im scharfen Gegensatz zu den unendlich viel häufigeren sexuellen Gewalterfahrungen von Frauen in der Partnerschaft [Hervorhebung, terminatus30], siehe Müller & Schöttle, 2004, S. 226 u. 229) sehr geringen Fallzahlen [Hervorhebung, terminatus30] lassen zwar auf eine untergeordnete Rolle der von Frauen ausgeübten sexuellen Gewalt in Partnerbeziehungen [Hervorhebung, terminatus30] schließen, in keinem anderen Bereich ist jedoch die Scham, Opfer zu sein, so hoch, keine andere Gewaltform stellt das männliche Selbstbild und -bewusstsein so in Frage.

Mac Gyver und die gute alte Zeit II

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Nachdem mein Beitrag Mac Gyver und die gute alte Zeit so gut aufgenommen wurde und ich mehrere Mails bekam, mit dem Wunsch, noch einmal auf das Thema einzugehen, werde ich die erste Liste hier gern mit euren Vorschlägen zu Männer und Jungenfilmen aus eurer Jugend oder aktuell ergänzen und freue mich auf eine rege Beteiligung eurerseits:

Vorschläge von Hans Alberts:

  • Masters and Commanders
  • Con Air

Vorschläge von Frauenopfer:

  • Blood in, blood out
  • Menace to Society
  • Der Duft der Frauen

Vorschläge von Mic Bartz:

  • Batman
  • Superman
  • On the Waterfront
  • Rebel without a Cause
  • From Here To Eternity
  • Quadrophenia

Von Carstus:

  • About Schmidt
    Mimik und Gestik sind teilweise der Hammer! (Bsp. 0:12)

Von Zhen:

  • Tora, Tora, Tora
  • Straw Dogs
  • Eyes Wide Shut
  • Rubbeldiekatz
  • Ozu’s Gesamtwerk

Von mir:

  • Casablanca
  • Pretty Woman
  • Giganten
  • Platoon
  • Im Westen nichts Neues
  • Dad

Was fehlt noch? Kennt ihr noch Filme, welche herausstreichen, was uns Jungen und Männer verbindet?