Feministinnen und Propaganda

Gepostet am Aktualisiert am

Ich komme nicht umhin den neuen Beitrag von Maren – ja ÖSI-Maren – auf ihrem Blog Paper Cuts zu kommentieren. Maren echauffiert sich in „In was für einer Welt leben wir eigentlich“ gekonnt über den Fall der 34 jährigen Amerikanern Bei Bei Shuai.

Zur Vorgeschichte:

Bei Bei Shuai, 34, a restaurant owner who moved to the US from China 10 years ago, was pregnant and planning to marry her boyfriend until she learned late last year that he was already married and he would be abandoning her. A few days later, on 23 December, she went to a hardware store, bought rat poison pellets, went back to her flat in Indianapolis and swallowed some. But she did not die immediately and was persuaded by friends to go to hospital. She was given treatment to counteract the poison and gave birth on New Year’s Eve, but her daughter, Angel, suffered seizures and died after four days.

Auf Maren’s Blog wird daraus die gekonnte Feststellung abgeleitet, dass diese Frau wegen eines Selbstmordversuches des Mordes angeklagt wurde. Sie vergisst hierbei (aus welchen Gründen auch immer) an dieser Stelle zu erwähnen, dass Bei Bei Shuai auch wegen versuchtem Fetozid an einem 8 Monate alten Fötus angeklagt wurde, welcher, im Übrigen, eine Woche später als Mädchen, mit dem Namen Angel auf die Welt kam, an Anfällen litt (suffered seizures) und vier Tage später verstarb.

Im Zeitungsartikel wird dies so zusammengefasst:

She was given treatment to counteract the poison and gave birth on New Year’s Eve, but her daughter, Angel, suffered seizures and died after four days.

Eine Ursächlichkeit zwischen dem Tod des Babys und der Behandlung durch das Spital oder der Gifteinnahme der Mutter wird hier nicht hergeleitet.

Maren legt dies mit einer klaren Akzentuierung so aus:

Zudem ja auch gar nicht klar ist, ob das Kind an dem Rattengift verstorben ist oder an den Folgen der Behandlung zur Rettung der Mutter (Magen auspumpen, Medikamente).

Für Maren scheint die Frage wichtiger zu sein, wie mit dieser Frau umgegangen wird. Ich stimme ihr zu, dass dieser Frau eine psychiatrische, psychologische Behandlung zukommen sollte, sehe allerdings, im Gegensatz zu Maren, kein stattdessen.

Sie wird nicht stattdessen wegen Mordes und Kindstötung angeklagt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Sie hat durch die Einnahme des Giftes sich selbst töten wollen und damit die Tötung ihres Fötus in Kauf genommen. Ob die Einnahme des Giftes ursächlich oder nicht für den späteren Tod des Babys zu werten ist, das wird das Gericht zu entscheiden haben. Sogesehen kann ich Marens Argumentation nicht nachvollziehen.

Meines Erachtens ist auch die Furcht davor, dass nun medizinische Indikation als Mord am Fötus gewertet wird und die Frau bei einem Verlust des Fötus aus diesen Gründen ins Gefängnis gehen muss, unbegründet und einer Bias geschuldet. Soweit ich weiß, ist in den USA – in allen Bundesstaaten – eine medizinisch induzierte Spätabtreibung gestattet und Abtreibung, seit Roe v. Wade prinzipiell nicht verboten – damals Trimester Lösung.

Maren meint hier, in meinen Augen unbegründet:

Das würde einen ganzen Wust neuer Fragen aufwerfen, wenn eine schwangere Frau dringend Medikamente benötigt, die die Leibesfrucht schädigen, wessen Leben wird dann höher bewertet?
Was ist wenn das Kind verstirbt, wird der Arzt oder die Mutter, die so unverschämt war schwerkrank zu werden, verknackt?

Es ist auch gänzlich eine andere Frage, wie man nun ungeborenes menschliches Leben juristisch bewertet. Meine Meinung dazu habe ich hier kundgetan. Ich sehe bei der Tötung eines 8 Monate alten Fötus‘ allerdings erhebliche argumentative Probleme seitens der Feministinnen (im 8ten Monat ist der Fötus außerhalb des Uterus überlebensfähig!).

Was meint ihr?

7 Kommentare zu „Feministinnen und Propaganda

    Martha sagte:
    Dezember 15, 2011 um 10:44 pm

    Es ist objektiv die Tötung eines Kindes, wobei ich sowieso generell gegen jede Abtreibung bin. Ich nehme an, dass der Richter und die Schöffen wohl medizinische Gutachten über den Hergang des Suizids und den psychischen Zustand der Frau einholen wird. Es wird wohl bei der Strafe eine Schuldminderung berücksichtigt werden.
    Weiters wäre zu hinterfragen, ob ihr feiner Ex-Freund eine moralische Mitschuld daran hat.

    Es gibt Paare, die auch an einer überraschenden Schwangerschaft scheitern, aber trotzdem für das gemeinsame Kind ihrer Liebe einstehen.

    Das Problem einer gewissen Öffentlichkeit ist, dass Verzweiflungstaten – und sie muss arg verzweifelt gewesen sein – immer benutzt werden, um gleich dieses oder jene Gewünschte zu konstruieren.

      terminatus30 geantwortet:
      Dezember 15, 2011 um 11:00 pm

      „Ich nehme an, dass der Richter und die Schöffen wohl medizinische Gutachten über den Hergang des Suizids und den psychischen Zustand der Frau einholen wird. Es wird wohl bei der Strafe eine Schuldminderung berücksichtigt werden.“

      Sehe ich ähnlich. Die Frage nach einer „moralischen“ Mitschuld stellt sich meines Erachtens nicht. Es mag zwar moralisch verwerflich sein, sie zu verlassen, ihr etwas vorzuspielen, strafrechtlich relevant ist das in meinen Augen nicht.

    Omti sagte:
    Dezember 16, 2011 um 4:48 pm

    Naja, es ist in meinen Augen etwas lächerlich der Frau jetzt auch noch Mord vorzuwerfen. Da könnten sie es ja gleich machen, wie die Briten früher… Selbstmordversuch mit Freiheitstrafe bestrafen.

    Das ganze ist vor allem traurig, besonders das jetzt Paragraphenreiter ankommen und die Frau auch noch wegen Mordes anklagen und am besten auch noch hinrichten.
    Ich sehe das vor allem als Perversion des amerikanischen Justizsystems. Genauso wie sie den Todeskandidaten, der sich selbst umbrigen wollte erst noch gerettet haben um ihn dann eine Woche später doch noch hinzurichten.

    Keine Ahnung wer da in der Staatsanwaltschaft sitzt, aber es ist ein Arschloch.
    Jemand der Selbstmord versucht, hat sowieso schon mehr als zu viele Probleme, und ihr dann noch Mord anzuhängen versuchen ist ein bisschen albern und vor allem traurig.
    Anscheinend ist das aber ein Problem in Amerika, dass die Staatsanwälte dafür belohnt werden, dass sie Leute verurteil kriegen. Das also nicht die Wahrheit das Ziel ist, sondern jemandem im Gefängnis oder aufm Friedhof zu sehen.

    Wenn man diese Perversion konsequent weiterdenkt, dann könnte Maren sogar mit ihrer Befürchtung recht haben, obwohl ich glaube, dass das selbst den Ammis zu pervers ist.

      terminatus30 geantwortet:
      Dezember 16, 2011 um 5:40 pm

      Das mit dem „Mord“ habe ich auch nicht ganz verstanden. Für mich persönlich handelt es sich um einen Selbstmordversuch und (versuchten oder in Kauf genommenen) Fetozid. Einen Suizidversuch juristisch zu ahnden halte ich für lächerlich. Die Sache mit dem Fetozid, bei einem 8 Monate alten Fötus, ist natürlich differenzierter zu betrachten.

      Ich persönlich wäre dafür, falls sich herausstellt, dass das Baby letztlich an den Folgen der Vergiftung starb und sich die Frau bei Einnahme des Giftes nachweislich nicht in einem psychischen Ausnahmezustand befand, in solchen Fällen Strafen zur Bewährung anzusetzen. Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Fötus in der 35sten Schwangerschaftswoche und einem Neugeborenen in der 36sten. Der Bauch einer Frau mag ihr gehören, der Bauch in ihrem Bauch, im 8ten Monat, nicht mehr. Da sind die Interessen des Fötus und der Gesellschaft in meinen Augen höher zu gewichten als die der Frau – außer bei einer medizinischen Indikation -, zumal es hier auch keinen Unterschied machen würde abzutreiben oder die Geburt einzuleiten.

      Zhen sagte:
      Dezember 19, 2011 um 5:26 pm

      (Leicht OT)

      Omti, dein hartes Urteil über das US-amerikanische (bzw. das angelsächsische) Rechtswesen könntest du nochmal überdenken. M.E. ist dieses System gegenüber unserem deutlich überlegen. Die Wahl von Staatsanwälten ist ein wichtiges demokratisches Element. Ich lese gerade (neben einem ganzen Stapel angefangener Bücher 😉 ) „The American Jury System“. Unser System erscheint mir im Vergleich sehr amateurhaft und nicht neutral genug. Nicht umsonst heißt es ja inquisitorisches System. Der Angeklagte ist dem Richter total ausgeliefert. Im US-System hat der Richter bloß die Funktion eines „Spielleiters“, der für den ordnungsgemäßen und reibungslosen Ablauf der Wahrheitsfindung zwischen zwei Parteien sorgt, die ein Komitee unbeteiligter Beobachter zu überzeugen versuchen. Denkt mal an den Kachelmannprozess zurück, der selbst für hiesige Verhältnisse groteske Züge annahm. Mit Jury wäre es vermutlich gar nicht erst zur Anklage gekommen.

      Die Todesstrafe, wie jede Strafe, befürworte ich natürlich nicht.

    Dummerjan sagte:
    Februar 6, 2012 um 2:38 pm

    „Das würde einen ganzen Wust neuer Fragen aufwerfen, wenn eine schwangere Frau dringend Medikamente benötigt, die die Leibesfrucht schädigen, wessen Leben wird dann höher bewertet?
    Was ist wenn das Kind verstirbt, wird der Arzt oder die Mutter, die so unverschämt war schwerkrank zu werden, verknackt?“
    Diese Frage ist ethisch und juristisch seit Jahrzehnten (und länger) geklärt: Im Zweifel wird die Mutter gerettet.
    Fragen Sie Ihren Arzt.

      terminatus30 geantwortet:
      Februar 6, 2012 um 3:11 pm

      Genau so ist es. Es macht sich halt immer aus Propagandazwecken gut, wenn man als Feministin Gegenteiliges behaupten kann.

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