Ist Risikoverhalten männlich konnotiert?

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Immer wieder höre und lese ich, dass Risikoverhalten männliches Verhalten widerspiegelt und die daran ansetzenden, entsprechenden Gesetze, wenn schon nicht direkt, dann wenigstens indirekt, über die abschreckende Wirkung auf Jungen und Männer umerziehend! wirken sollen.

Sich direkt auswirkendes Risikoverhalten ist nicht nur männlich!

Laut Basic Fact Sheet 2009 Straßenverkehrsunfälle Österreich kam es 2009 beim Unfallgeschehen mit alkoholisierten Beteiligten zu 46 (35m/11w) Tötungen (Tabelle 1, Seite 2/Tabelle 5, Seite 9). Auf Seite 6 lesen wir:

„Alkohol am Steuer“ ist nach wie vor in erster Linie ein Problem der Männer – vor allem der jungen: 88% der alkoholisierten, an Unfällen beteiligten Personen waren männlich, die meisten davon waren unter 30 Jahre alt.

Festzuhalten bleibt jedoch auch (7):

Allerdings hat sich der Anteil der unfallbeteiligten, alkoholisierten Frauen in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. Waren im Jahr 2000 „nur“ 7,7% der Personen, die betrunken an Unfällen beteiligt waren, Frauen, so betrug dieser Wert 2009 bereits mehr als 12%.

Sich indirekt bzw. erst mittel- bis langfristig auswirkendes Risikoverhalten ist zunehmend weiblich!

Unter sich indirekt auswirkendem Risikoverhalten fasse ich hier Zigaretten-, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Indices wie Fettleibigkeit und fehlende körperliche Aktivität (Sport) zusammen.

Rauchen

Laut Statistik Austria beginnen Frauen füher zu rauchen als Männer. Folgender Status konnte 2006/07 erhoben werden:

Beinahe ein Viertel der 15-jährigen und älteren Bevölkerung Österreichs raucht täglich (Männer: 27%, Frauen: 19%). Während die Raucheranteile bei den über 30-Jährigen bei den Männern im Schnitt um sieben Prozentpunkte über jenen der Frauen liegen, gibt es bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede. Den höchsten Anteil an Rauchern und Raucherinnen gibt es bei den jungen Erwachsenen (20 bis 24 Jahre). Jede dritte Frau (34%) und jeder dritte Mann (36%) dieser Altersgruppe raucht täglich. Bei den Männern sind auch in den nachfolgenden Altersgruppen Raucheranteile zwischen 30% und 36% zu finden, bei den Frauen verliert das Rauchen etwas an Attraktivität. Ein Fünftel (21%) der Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren raucht täglich. Die Raucherquote steigt bis zu den 40- bis 44-jährigen Frauen wieder an (27%) und flacht dann mit zunehmendem Alter allmählich ab.

Interessant ist, dass sich im langfristigen Zeitvergleich das Rauchverhalten der Geschlechter angleicht – sprich: Frauen deutlich aufholen!

Der Tabakkonsum hat sich in den letzten Jahrzehnten für beide Geschlechter unterschiedlich entwickelt. In den 1970er Jahren rauchten 39% der männlichen und 10% der weiblichen Bevölkerung. Über die Jahre nahm bei Männern der Anteil der täglichen Raucher kontinuierlich ab und liegt nun um zwölf Prozentpunkte niedriger, nämlich bei 27%. Bei den Frauen zeigte sich ein gegenläufiger Trend. Der Anteil der Raucherinnen stieg kontinuierlich um insgesamt neun Prozentpunkte auf aktuell 19%.

Betrachtet man die Veränderung der Häufigkeit von täglichem Rauchen in den einzelnen Altersgruppen, so zeigt sich bei Männern und Frauen ein unterschiedliches Bild. Die weibliche Bevölkerung im Alter von 15 bis 29 Jahren und von 40 bis 64 Jahren raucht nun im Vergleich zu 1997 häufiger (um sechs Prozentpunkte bei den 15- bis 19-jährigen Frauen, zehn Prozentpunkte bei den 20- bis 24-jährigen Frauen, um fünf Prozentpunkte bei den 25- bis 29-jährigen Frauen und um acht Prozentpunkte bei den 60- bis 64-jährigen Frauen). Die männlichen altersspezifischen Raucheranteile sind dagegen nur bei den 15- bis 19-Jährigen und bei den 55- bis 69-Jährigen gestiegen (drei bis vier Prozentpunkte).

Alkohol

Laut Anton-Proksch-Institut mit Verweis auf Uhl, Alfred; Bachmayer, Sonja; Kobrna, Ulrike; Springer, Alfred; Kopf, Nikolaus.; Beiglböck, Wolfgang; Eisenbach-Stangl, Irmgard; Preinsperger, Wolfgang; Musalek, Michael. (2009, in Vorbereitung) Handbuch: Alkohol – Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGF, Wien (Datenstand: 24.11.2010), stellen Männer prozentual einen höheren Anteil an denjenigen Personen, deren Alkoholkonsumgewohnheiten als grenzwertig oder gar die Gefährdungsgrenze überschreitend eingestuft werden:

14-99-Jährige

Kategorie

Männer

Frauen

ges.

unter der „Harmlosigkeitsgrenze“
im letzten Jahr und früher (fast) abstinent
(primäre Abstinenz)

14%

23%

23%

im letzten Jahr (fast) abstinent aber früher nicht abstinent (sekundäre Abstinenz)

19%

29%

24%

geringer Alkoholkonsum

26%

26%

26%

zwischen den Grenzen
mittlerer Alkoholkonsum

18%

12%

15%

über „Gefährdungsgrenze“
problematischer Alkoholkonsum (Alkoholmissbrauch)

12%

8%

12%

chronischer Alkoholismus

7,5%

2,5%

5,0%

100,0%

100,0%

100,0%

Stichprobenumfang

2.094

2.164

4.260

Bei den Jugendlichen bis zu einem Alter von ca. 17 Jahren, zeigt sich ein anderes Bild. Dort sind die jungen Frauen im Bereich Trinkfrequenz – Täglicher Alkoholkonsum führend.

Drogenkonsum

Aus dem Bericht zur Drogensituation 2011 lassen sich einige Indices zur Präfalenz in der Bevölkerung bzw. bei den Jugendlichen herauslesen.

„Zum Drogenkonsum in der Allgemeinbevölkerung wurden im Berichtszeitraum das auf Wien bezogene Suchtmittel-Monitoring 20113 (IFES 2011) und der Oberösterreichische Bericht zum Drogenmonitoring 20094 (Seyer et al. 2010) veröffentlicht.“ (12)

Die „Wiener“ Erhebung brachte folgende Daten ans Tageslicht:

26 Prozent der Männer und lediglich 15 Prozent der Frauen berichten Cannabiserfahrungen. Bei allen anderen Drogen [Ecstasy, Amphetamine, Opiate, Kokain, andere verbotene Drogen, Räuchermischungen, terminatus] ist die Konsumprävalenz so gering, dass Aussagen zu Alters- und Geschlechtsunterschieden mit einer großen Unsicherheit behaftet sind. (13)

Was die Jugendlichen betrifft, ist die erwähnte aber nicht verlinkte Studie von Bittner et al. für Niederösterreich aufschlussreich. Aus ihrer Befragung wird nämlich Folgendes (127) ersichtlich:

Rund 10 % der Befragten (75 Personen) gaben an, zumindest eine der genannten Substanzen [Cannabis/Haschisch, Kokain, Heroin, Ecstasy, Schlaf-, Beruh.-, Schmerzmittel, Aufputschmittel/Amphetamine, LSD, Schnüffelstoffe, Naturdrogen, Liquid Ecstasy (GHB), magic mushrooms, Notalin (frei erfunden), terminatus] ausprobiert zu haben. Die meisten von ihnen (rund 70 % oder 54 Personen) lediglich eine Substanz. Hier zeigt sich kein Geschlechterunterschied [bei den befragten 15 bzw. 16 jährigen Schülern und Schülerinnen, terminatus].

Fettleibigkeit

Unter Berücksichtigung des B.M.I. (Body Mass Index) zeigt sich:

Bei den Frauen sind etwas weniger übergewichtig (29%), der Anteil adipöser Frauen ist jedoch geringfügig größer (13%) als bei den Männern. In absoluten Zahlen sind damit in Österreich 860.000Menschen ab 15 Jahren fettleibig (Männer:400.000, Frauen460.000).

Sport

Auch was den Sport anbelangt, sind Männer vitaler als Frauen:

Etwa die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren kommt zumindest einmal pro Woche in ihrer Freizeit durch körperliche Betätigung ins Schwitzen (Männer: 60%, Frauen: 49%). Als körperlich „aktiv“ eingestuft werden Personen, die an zumindest drei Tagen pro Woche durch Radfahren, schnelles Laufen oder Aerobic ins Schwitzen kommen.  Nach diesem Kriterium sind etwa ein Drittel der Männer und nahezu ein Viertel der Frauen in ihrer Freizeit aktiv (32% bzw. 23%). Deutliche Unterschiede zeigen sich auch nach dem Alter. Bei den Männern sinkt der Anteil an Aktiven mit zunehmendem Alter kontinuierlich von etwa 42% bei den 15- bis 29-Jährigen bis unter 27% bei den 60- bis 75-Jährigen. Bei den Frauen liegt der Anteil der an zumindest drei Tagen in der Woche körperlich Aktiven durchgehend niedriger als bei den Männern. Eine Ausnahme sind die Frauen im mittleren Alter, bei den 45- bis 59-jährigen Frauen liegt der Anteil der körperlich Aktiven so wie bei den Männern bei 28%.

Es lässt sich festhalten, dass sich die in feministischer Deutungshoheit groß gewordenen Mädchen und jungen Frauen in ihrem Risikoverhalten den männlichen Altersgenossen angleichen, in manchen Bereichen diese sogar übertreffen.

Ein Kommentar zu „Ist Risikoverhalten männlich konnotiert?

    […] 2013.Vgl. auch den Blogeintrag „Ist Risikoverhalten männlich konnotiert? v. 2. 12. 2011; online: https://zummannseingeboren.wordpress.com/2011/12/02/ist-risikoverhalten-mannlich-konnotiert/; Stand: 27. 10. […]

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