Männerkarenz – Nein, danke!

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Zum Thema „Männerkarenz“ ist vor knapp einem dreiviertel Jahr ein Artikel auf dieStandard erschienen. Aus aktuellem Anlass werden die präsentierten Ergebnisse beleuchtet.

Unter dem Titel Nur wenige Männer unterbrechen Karriere wurden einige Aussagen der neuen Forba-Studie mehr oder weniger ideologiefrei widergegeben. Nur mehr oder weniger deshalb, weil bereits im Untertitel der Gendersprech wieder sichtbar wird.

FORBA-Studie: Fünf Prozent der KindergeldbezieherInnen männlich – Vor allem Selbstständige, Studenten und Arbeitsuchende in Karenz

Na, verstanden was der Freundinnen von die Standard – da werden Sie geholfen – hier aus „Fünf Prozent der Kindergeldbezieher sind männlich“ zu machen versuchen 😉

Die Sonne, der Mond, das Haus, der Kindergeldbezieher/die Kindergeldbezieherin
Die Sonnen, die Monde, die Häuser, die Kindergeldbezieher

der Kindergeldbezieher/die Kindergeldbezieherin/die Kindergeldbezieher/die Kindergeldbezieherinnen/die KindergeldbezieherInnen

Mein Gegenbeispiel:

Über 40% der TäterInnen im Falle von häuslicher Gewalt sind weiblich

Auch dieser Versuch, die Sprache an sich zu reißen, ändert nichts daran, dass Männer schlichtweg nicht daran interessiert zu sein scheinen, in Karenz zu gehen, wenn es dafür keine entsprechenden Anreize gibt. Nur 4,5 % der Väter gingen 2010, laut Studie in Karenz – in den 90ern waren es rund 1% der Väter, zurückzuführen auf die Einrichtung des „Karenzurlaubes“ für Väter, mit Verlängerung der Elternkarenz auf 2 Jahre (Studie, 49). Von einer Erhöhung des Männeranteils, wie dieStandard richtig festhält, kann realiter, d.h. im normativ-feministischen Sinne, nicht gesprochen werden, denn es scheint gesichert zu sein,

dass die Erhöhung des Männeranteils in den letzten Jahren überproportional auf selbstständige, arbeitslose und studierende Väter zurückgeht.

Auf Seite 50 der Studie finden wir hierzu:

Erstens hat die Entkoppelung von Karenz und Geldleistungsanspruch dazu geführt, dass mehr Väter KBG beziehen (2007: etwa 3,7%). Davon kann jedoch nicht einfach eine höhere Beteiligung der Väter an der Kinderbetreuung abgeleitet werden. Es ist vielmehr so, dass aufgrund der Möglichkeit, die Geldleistung auch ohne Erwerbsunterbrechung zu beziehen, selbstständige, arbeitslose und studierende Väter, deren Einkommen unter der Zuverdienstgrenze liegt, dies auch überdurchschnittlich häufig in Anspruch nehmen.

Ein weiterer Faktor scheint zu sein, dass Männer, wenn sie denn in Karenz gehen – nach dieser fehlerhaft erstellten Tabelle -, eher dazu tendieren, eine kürzere Variante zu wählen, wie untenstehende Grafik (Studie, 51) verdeutlicht:

Dass diese Statistik in sich Schmarrn ist, zeigt, dass Frau DoktorIn Mairhuber wohl Probleme damit zu haben scheint, Statistiken zu erstellen bzw. sie dann auch richtig zu lesen. Wie die Statistik richtig, auf Basis des präsentierten Materials auszusehen hat, sieht man hier

Was läßt sich festhalten? Transportiert die Werbung ein „neues“ Männerbild, welches der Realität entspricht? Zeigt die ministeriale Vergenderung bereits Wirkung? Es gibt eine klare Antwort und die lautet: NEIN!

Wenn wir von 147.546 möglichen Kindergeldbeziehern im Jahre 2010 ausgehen und die Zahlen in Beziehung setzen zur Gesamtzahl der Männer, welche in der Regel als potentielle Kinderbetreuungsgeldbezieher in Frage kommen würden – ich verwende die Zahlen aus meinem Artikel Vergewaltigung in Österreich -, dann sehen wir, dass nur rund 5,37% aller in Frage kommenden Männer überhaupt vor die Frage der Vaterschaft gestellt waren. Selbst wenn alle 5% der Männer nun in Karenz gehen würden, was würde dies über die gesamtgesellschaftlich, männliche Einstellung zum Thema aussagen? Meine Antwort: Nichts!

Auf die Gesamtzahl der Männer, welche potentiell für eine „Vaterschaft“ und daran anschließend ein Kinderbetreuungsgeld in Frage kommen würden gerechnet, haben nur 0,24 % letztlich realiter dann Kindergeld bezogen. Also 1 von rund 416 Männern in Österreich – nach unserer Berechnung – kassiert Kinderbetreuungsgeld. Wahrlich eine Trendumkehr in der Einstellung der österreichischen Männer! Wenn wir nun bedenken, dass der Väteranteil in der längst möglichen Variante des Bezugs (30+6 Monate) nur rund 3,7% beträgt, d.i. ein Verhältnis von 1 zu 769, gemessen an allen Männern, dann zeigt sich, dass selbst, wenn Männer in Karenz gehen, der Anteil der in der längst möglichen Variante verweilenden verschwindend gering, gemessen an der Gesamtanzahl der Männer ist. Zudem generiert sich dieser Anteil, laut Aussagen der Studien, in hohem Maße aus Schichten, welche es sich „leisten“ können flexibel zu arbeiten oder für die wohl der pekuniäre Aspekt oft im Vordergrund steht.

Noch ein kleines Schmankerl (Studie S. 44) um aufzuzeigen, wie man solche Berichte, meist vom Genderist_innen und/oder dem Gleichstellungs-Ministerium bereitgestellt, zu lesen hat:

Unbezahlte Hausarbeit, die vor allem beim Vorhandensein von Kindern einen beträchtlichen Teil der täglichen bzw. wöchentlichen Arbeitszeit in Anspruch nimmt und somit die Verfügbarkeit für den Erwerbsarbeitsmarkt einschränkt, wird nach wie vor mehrheitlich von Frauen erledigt. Laut der aktuellen Zeitverwendungsstudie 2008/09 werden in Österreich noch immer zwei Drittel der unbezahlten Arbeiten von Frauen geleistet, wobei die meiste Zeit auf Hausarbeit (Frauen 81%, Männer 78%), ein weit geringerer Teil auf Kinderbetreuung (Frauen 14%, Männer: 12%) und formelle oder informelle Hilfe (Frauen 5%, Männer 10%) entfällt (Statistik Austria 2009b:34).

Unbezahlte Hausarbeit schränkt die Verfügbarkeit für den Erwerbsarbeitsmarkt ein – sprich auf deutsch: Diese Arbeit wird mehrheitlich von Frauen erledigt, da sie mehrheitlich teilzeit arbeiten oder gänzlich zu Hause sind, Hausfrauen sind. Hier wird aus ideologischen Gründen ein Schuh für den Mann daraus. 2/3 dieser unbezahlten Arbeiten werden von der Frau, die mehrheitlich teilzeit arbeitet oder ganz zu Hause bleibt geleistet. Soll heißen, dass der Mann, der dann mehrheitlich 4 bis 8 Arbeitsstunden pro Tag mehr entgeltlich „leistet“ als die Frau, mehrheitlich dann weniger zu Hause zusätzlich „leistet“ als die mehrheitlich zu Hause bleibende oder teilzeit arbeitende Frau. Dass hier nur 3% Unterschied sind in der Hausarbeit, wundert mich. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben freiwillige Tätigkeiten in Vereinen wie Feuerwehren oder die Zwangsarbeit im Bundesheer.

3 Kommentare zu „Männerkarenz – Nein, danke!

    Martha sagte:
    November 18, 2011 um 6:33 pm

    Das Problem ist die Trennung zwischen Haus- und Erwerbsarbeit (letztere wird als eigentliche Arbeit betrachtet wird, und zwar von Feministen und Industriellenvereinigung zugleich).
    Komischerweise ist aber der Job der Haushälterin dann schon ein vollwertiger Beruf.
    Wenn man fünf Kinder hat, wird man gefragt, warum man nicht arbeiten geht????

    Warum so wenig Männer in Karenz gehen? Weil das die Frauen nicht wollen, mich eingeschlossen. Die 5 %, die in Karenz gehen, sind auch in meinem Umfeld die oben beschriebenen Berufsgruppen, vor allem weil ja die „Zuverdienstgrenze“ nach oben rückt. Das heißt, ein Selbständiger nimmt weniger Aufträge an und erhält dann das Kinderbetreuungsgeld.
    Ich bin diesen Paaren das aber nicht neidig, denn ein Kind kostet einiges (ist einfach so, allerdings kann man auch viel gebraucht kaufen).

    Übrigens, Herr Terminatus30, dass ein Österreicher einen Masku-Blog aufmacht, finde ich als Österreicherin ganz toll.

    terminatus30 geantwortet:
    November 18, 2011 um 7:51 pm

    Danke für deine Wortmeldung. Was die Karenz angeht, sehe ich es ähnlich. Es geht doch nicht darum, dass Männer nicht in Karenz gehen sollten, es geht mir zumindest darum, die ständige Politisierung dabei außer Acht zu lassen – ich muss weder Männer noch Frauen als Idioten in der Werbung sehen. Nur darf man dies als Mann, einen Mann betreffend eben nicht ansprechen. Da ist man dann für die Gleichstellerinnen schnell wieder, fern aller political Correctness, ein Jammerlappen.

    Es muss weder das Männer- noch das Frauenbild geändert werden. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Gleichberechtigung, keine Gleichstellung. Gleichwertig- aber Verschiedenartigkeit. Das sehen meines Wissens die allermeisten Männerrechtler so. Ich jedenfalls habe mit noch keinem korrespondiert der letztlich hinter eine schon längst gesetzlich verankerte Gleichberechtigung zurück möchte.

    Ps. Nun ja, es gibt doch schon einige österreichische Masku-Blogs. Dadila geht zumindest in die Richtung und scheint ebenfalls aus Österreich zu sein.

    Martha sagte:
    November 26, 2011 um 1:26 am

    Ich persönlich bin weder Männer- noch Frauenrechtlerin, sehe aber auch, dass es ohne einen gesetzlichen Rahmen (der die gleichwertige Verschiedenartigkeit berücksichtigt) nicht geht.

    Nein, ich bin nicht für Quoten in Führungspositionen. Nur für vernünftige (nicht positivistische) Rahmenbedingungen, was Ehe, Familie, Mutterschutz, (leider)Scheidung und (leider)Scheidungswaisen usw. betrifft.

    Allerdings kann man von den herrschenden Parteien nicht erwarten, dass sie so einen Rahmen kreieren.

    PS: Ich persönlich benutze im Internet die Anrede „Sie“.

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