dm: männerfeindlicher Werbespot?

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Schon gesehen? Ja, ich meine den neuen Werbespot des doch so „menschlichen“ – hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein – Unternehmens dm.

Der Spot beginnt mit zwei Männern vor dem Spiegel – wahrscheinlich in einem Fitnesscenter, nach dem Training und Dusche. Beide mit freiem Oberkörper und Badetuch um die Hüften. Das dm-Täschchen steht am Waschbecken, der linke, schmächtige Mann „trägt“ ein Pflegeprodukt auf, während der rechte, gut gebaute Mann sich ein „Herz“ aus seiner Brustbehaarung zurecht rasiert. 0:07 – der Mann zur Linken fasst sich auf die kahle Brust.

Szenenwechsel. 0:09 – Fahrzeuge vor einer Ampel, Seiteneinstellung. Mann sitzt in „Rockermontur“, wie man meinen könnte – Autos verdecken die Sicht – auf einem Motorrad. Motoren werden angelassen, Motorrad startet. 0:11 – man hört eine Fahrradklingel; aus dem Motorradfahrer wird ein Mann auf einem Fahrrad, ein Kind am Rücksitz. Dass dieses Fahrrad so nicht verkehrstauglich ist, erkennt jeder, nur nicht die Werber_innen von dm.

Szenenwechsel. 0:13 – blonde, gut gekleidete Frau mit Halstuch und einigen Einkaufstaschen – darunter einer dm-Tasche – schlendert durch die Stadt. 0:18 – sie biegt um eine Häuserecke und der Wind zerzaust ihre Frisur. Vor einem Schaufenster bleibt sie stehen. Man sieht ihr Spiegelbild und im Geschäft ein Kleid und ein Paar Schuhe. 0:21 – Wiedergeburt. Sie erkennt sich im Spiegel (das tun Affen auch :)) löst das Halstuch, dreht ihr „Fell“jäckchen von Innen nach Außen (sie scheint Wittgenstein’s Tractatus zu kennen: 6.36111), das Leopardenmuster wird sichtbar und zu guter letzt wird das Kleidchen nach oben gezogen. Im Spiegelbild wird kurz eine Tasche gezeigt. 0:28 – sie wirkt stolz, emanzipiert. 0:28 – Schwenk auf Logo und Leitspruch.

Der Spot wird durch den Song „Come on and make some noise“ begleitet. Fazit: Frauen sollen some „noise“ machen und sich emanzipieren, während die „harten“ Kerle, die sich Herzchen in die Brust rasieren auf die Kinder aufzupassen haben. Hier zeigt sich klassisch, bürgerlich weibliches Denken. Ich bin Frau, ich kann – du hast dich zu ändern.

Wenn einer meiner Leser Wünsche und Anregungen an die Pressestelle von dm richten möchte, hier die Mail-Adresse: presse@dm-drogeriemarkt.at

5 Kommentare zu „dm: männerfeindlicher Werbespot?

    Zhen sagte:
    November 18, 2011 um 12:31 pm

    Es ist völlig klar, warum Werbung so femizentrisch durchgestaltet wird. Frauen verfügen über mehr verschwendbares Vermögen als Männer – geschenktes Vermögen gibt sich leichter aus als selbst erarbeitetes – und sie treffen die meisten Kaufentscheidungen – mit irgendwas muss man sich ja beschäftigen, wenn man sonst nicht viel zu tun hat. Die Werbung richtet sich natürlich auch an Männer. Ihnen sendet sie das Signal, dass das beworbene Produkt von Weibchen für gut befunden wird, also auch fürs eigene Weibchen gekauft werden muss oder mit ihm Weibchen imponiert werden kann. Deshalb stehen auf Automessen neben den Blechmodellen auch Fleischmodelle. Sie signalisieren: Dieses Auto brauchst du Frau, weil du genauso begehrenswert sein willst wie das Mädchen, das daneben steht. Damit wird an das Konkurrenzstreben um Schönheit und Luxus der Frauen untereinander appelliert. Zweitens wird signalisiert: Dieses Auto brauchst du Mann, wenn du deine Frau zufriedenstellen willst oder sexy Frauen anlocken willst.

    Das war schon ein Geniestreich der kapitalistischen Eliten, den Feminismus in die Welt zu setzen. Die Löhne konnten plausibel gesenkt („angeglichen“) werden und der Konsum wurde angeheizt. Eine Win-win-Situation für das Bündnis aus Kapital und Feminat.

    terminatus30 geantwortet:
    November 18, 2011 um 1:44 pm

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Martha sagte:
    November 18, 2011 um 6:16 pm

    Ich kapiere den Zusammenhang überhaupt nicht. Was haben die zwei Männer vor dem Spiegel mit dem Mann auf dem Fahrrad (+ Kind) und der aufgebrezelten Frau zu tun?
    Dieser Spot wechselt mir auch die Szenen zu schnell.

    terminatus30 geantwortet:
    November 18, 2011 um 7:57 pm

    Ich interpretiere die ganze Geschichte so. Einerseits soll gezeigt werden, dass selbst die sog. Alphatypen nur Kuschelbären sind. Herzchen in der Brustbehaarung, Rocker als Fahrradfahrer. Andererseits soll der männliche „Nachwuchs“ auch darauf getrimmt werden. Der sog. Beta-Mann greift sich auf die (haarlose) Brust. Was die Dame angeht, ist doch klar. Sie emanzipiert sich zum 10ten mal – die Frage ist nur, von was.

    Martha sagte:
    November 19, 2011 um 3:15 pm

    Aha, das könnte eine Erklärung sein. Eigentlich dämlich.

    „….Sie emanzipiert sich zum 10ten mal – die Frage ist nur, von was…“

    Vielleicht von den Glattmachern? (Ich meine die ganzen Shampoos und Krokodilzangen für den sog. Asia-Effekt. Komische Auffassung von Emanzipation. Zu meiner Zeit (geb. Anfang der 70er) emanzipierte man sich noch über eine Ausbildung.

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