„Butch“-Lesben und Testosteronniveau

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Im Volksmund herrscht der Glaube vor, dass ein gewisser Anteil der lesbischen Frauen ein verstärkt männliches Verhalten an den Tag legt. Innerhalb der lesbischen „Community“ pflegt man solche, eher männlich-dominant auftretenden Frauen als „Butch“ zu bezeichnen. Die Frage ist, ob dieses eher dominant-männliche Auftreten mit einem höheren Testosteronniveau korreliert oder nicht.

Dazu zwei ältere Studien:

Pearcey et al.: Testosterone and sex role identification in lesbian couples, in: Physiology  Behavior, Volume 60, Issue 3, September 1996, Pages 1033-1035.

Aus dem Abstract:

Within the lesbian community there exists a common perception that lesbians comprise two types, “butch,”having more masculine characteristics, and “femme,” having more feminine characteristics. The present study investigated the question of whether these perceptions are reflected in different levels of the predominantly male hormone testosterone. Salivatory testosterone levels and “butch/femme” ratings were obtained from 28 lesbian couples. Individuals within couples tended to be opposite in “butch/femme” ratings [intraclass r(26) = −0.77, p < 0.001] but similar in testosterone levels [intraclass r(26) = 0.47, p < 0.01]. Also within couples, individuals with higher “butch” ratings had significantly higher testosterone levels, although across all individuals as a whole (ignoring couple pairing) there was no correlation between testosterone and “butch/femme” ratings. The results indicate that testosterone is related to “butch/femme” characteristics, but only when regarded within the couple relationship.

Singh et al.: Lesbian Erotic Role Identification: Behavioral, Morphological, and Hormonal Correlates, in: Journal of Personality and Social Psychology, Volume 76, Issue 6, June 1999, Pages 1035-1049.

Aus dem Abstract:

Lesbian scholars hotly debate the validity of “butch” and “femme” erotic roles. Although some dismiss them as social constructs, others maintain they are natural expressions of lesbian sexuality. The authors compared self-described butch and femme lesbians on gender-discriminating behavioral, morphological, and hormonal measures. Butch and femme lesbians did not differ from heterosexual women on sex role personality traits, depressive symptomology, eating disorders, or body dissatisfaction. Butch lesbians, however, recalled more childhood gender-atypical behavior and had higher waist-to-hip ratios, higher saliva testosterone levels, and less desire to give birth. These findings support the validity of butch–femme classification and suggest that butch lesbians are more male-typical compared to femme lesbians. The butch–femme classification may reflect a within-group difference caused by differential exposure to prenatal androgens.

6 Kommentare zu „„Butch“-Lesben und Testosteronniveau

    Omti sagte:
    November 9, 2011 um 9:47 pm

    Auch nen ziemlich interessanter Artikel über die Auswirkung von Testosteron auf Frauen:
    http://www.nature.com/nature/journal/v463/n7279/abs/nature08711.html

      terminatus30 geantwortet:
      November 9, 2011 um 11:36 pm

      Interessant, wundert mich allerdings nicht. Da Männlichkeit mit einem erhöhten Testosteronlevel in der Regel in Verbindung gebracht wird, scheinen mir die verinnerlichten, negativen Haltungen nicht verwunderlich zu sein. Früher war fairer Wettkampf noch etwas Erstrebenswertes. Heute stellt Wettkampf in sich schon eine Diskriminierung dar.

      Dabei würde ein Blick in die Kulturgeschichte genügen um zu sehen, zu was Testosteron abseits der Extrembereiche, die es auch geben mag, alles beigetragen hat. Aber lassen wir das. Danke für den Beitrag!

    James T. Kirk sagte:
    November 9, 2011 um 10:48 pm

    Ohne die Abstracts gelesen zu haben, ich führe dieses männliche und weibliche Verhalten (bei Schwulen) auf den sexuellen Mißbrauch in der Kindheit zurück. Die eigene Geschlechtlichkeit wird als etwas extrem schmerzhaftes und unangenehmes erlebt. Ein sexelles Trauma. Deshalb hassen so viele Feministinnen auch pure Weiblichkeit und projizieren Stereotype oder sonstige Fremdbestimmungen, die Frauen zu Frauen machen. Die Frauen zu Frauen machen. Macht’s klick? Diese psychologische Aufschlüsselung ist allerdings noch Lichtjahre vom derzeitigen Diskurs entfernt, der zwanghaft versucht Homosexualität zu naturalisieren.

    Die eigene Weiblichkeit wird bei lesbischen Feministinnen als etwas sehr Schmerzbehaftetes erlebt. Daher übrigens auch das zwanghafte Gegendere in dieser Community. Macht’s noch mal klick? Die Geschlechtlichkeit als solche muß wegerklärt werden.

    Ich bin froh über deine Beiträge damals bei Christian, als es um Homosexualität ging. Du hast eine offene Perspektive. Das ist das einzige, was zählt. Schon hier hapert es in der Regel. Stichwort Normativität.

    Wenn du das Problem der HS und TS psychologisch betrachtest und einmal guckst nach Verbindungslinien zur Kindheit, wird vieles klar.

    Dann braucht man auch keine scholastischen biologischen Theorien mehr…….

    Stell dich schon mal drauf ein, daß in ca. 50 Jahren wir uns nur noch wundern über die heutige Naivität bzgl. Homosexualität. Ist dir schon mal aufgefallen, wieviele Transsexuelle sich prostituieren? Na ja.

    Das Bedürfnis nach Nichtdiskriminierung ist ja verständlich. In 50 Jahren können wir dann rückblickend etwas nachsichtig auf die Vergangenheit schauen und das heutige Wegsehen verzeihen.

    Ich kann hier natürlich nicht alle Belege anführen. Das entscheidende ist der deskriptive, neutrale Zugang. Und daß man erst mal die politisch-gesellschaftlichen Dynamiken realisiert.

      terminatus30 geantwortet:
      November 9, 2011 um 11:55 pm

      „führe dieses männliche und weibliche Verhalten (bei Schwulen) auf den sexuellen Mißbrauch in der Kindheit zurück.“

      Ich persönlich sehe dies nicht so. Ich glaube, ich habe bei Christian dazu schon mehrmals gepostet. Es mag sein, dass Missbrauch in sagen wir 10% der Fälle dazu beiträgt, die eigene, heterosexuelle Orientierung nicht „entwickeln“ zu können oder aber, dass diese überdeckt wird. Sollte jemand also eine solche Vorgeschichte und Probleme in seiner/mit seiner gelebten, gleichgeschlechtlichen Sexualität haben, dann hat er in meinen Augen alles Recht der Welt sich Hilfe zu suchen und braucht sicherlich keine Bestätigungstherapie. Allerdings sehe ich das auch vice versa, soll heißen, dass ich dies auch für „Heterosexuelle“ akzeptiere.

      An sich sehe ich die homosexuelle Orientierung hormonellen und kulturellen Gegebenheiten geschuldet, wie im Übrigen auch die heterosexuelle. Hier sehe ich allerdings auch genetische Komponenten am Werk. Die Genetik gibt mir momentan zur „Mit“Erklärung von Homosexualtiät zu wenig her. Die Vermehrungsraten über Verwandtenselektion müssten nach meiner Lesart schon exorbitant sein – bei einem durchschnittlichen Prozentsatz von sagen wir 10% Homosexuellen in der damaligen Bevölkerung. Wenn der gute Mendel nicht unrecht hat, müssten hier schon, wenn sich das homosexuell orientierte Kind als Erwachsener nicht fortpflanzt insgesamt 4 Kinder im Schnitt gezeugt werden damit eines das Gen weitergibt (unter der Prämisse, dass beide Elternteile „Genträger“ wären). Das kann ich mir, selbst wenn es eine statistische Häufung in Familien mit „älteren Brüdern“ geben mag, nicht recht vorstellen. Vor allem bei einer vormals kleinen Grundgesamtheit.

      Wo ich dir allerdings Recht gebe, ist in deiner Kritik am Zeitgeist. Mir erscheint es sehr kurzschlüssig zu sein, zu glauben, dass es keine intrinsische Ursache habe, dass beispielsweise 2009 ca. 42 % der Neuinfektionsfälle von HIV auf Kosten einer Gruppe von 3-5% an der Grundgesamtheit der Männer! gehen. Ebenfalls im Falle von Kindesmissbrauch an Jungen. Hier wird zwar immer die quantitative Seite hervorgehoben. Es ist wahr, dass mehr heterosexuelle Männer Jungen missbrauchen, das ändert aber nichts daran, dass es rund 19mal so viele Heterosexuelle wie Homosexuelle gibt. Bezieht man dies in die Rechnung mitein, dann ist hier schon eine beängstigende Häufung zu konstatieren.

      Ob sich Transsexuelle mehr prostituieren oder nicht, weiß ich nicht. Allerdings frage ich mich schon, warum – so weit mir bekannt – doch an jedem kleinen Straßenstrich auch Transsexuelle zu finden sind.

      Wie ich sehe, vertrittst du eher einen kulturellen – wohl tiefenpsychologischen – Ansatz.

      Wie kommst du darauf, dass Homosexualität nur auf Missbrauch zurückzuführen ist?

    James T. Kirk sagte:
    November 11, 2011 um 5:30 pm

    Hallo Terminatus,

    danke für deine Antwort. Ich bin schon glücklich, wenn sich jemand überhaupt sachlich auf eine These einläßt.

    Mein Ansatz ist in der Tat ein tiefenpsychologischer. Man muß da einfach nur mal die Augen aufmachen. Dann kommen auch die Indizien. Wie du beschreibst, liegt genau hier das Problem.

    Daß diese Erklärungsmöglichkeit gar nicht erwünscht ist.

    Eine biologische Erklärung ist äußerst unwahrscheinlich. Auch hier ist es natürlich lustig, wie Pinguine als homosexuell bezeichnet werden, wenn sie nie Sex haben, die Mutter weg ist und nun ein zweites Männchen mithilft bei der Aufzucht.

    Mir geht es vor allem um diese Verlogenheit und Zweckgerichtetheit. Die existiert doch nicht umsonst. Hierfür würde ich dich gerne sensibilisieren, für diese Qualität. Da sind leider viele schwer von Begriff, um all die Lügen, Vorwände und Herbeierklärungen als solche zu erkennen.

    Natürlich muß man auch auf einer primären Ebene Beweise vorbringen. Hier hast du völlig recht. Nur ist es sehr aufschlußreich, auch die von mir genannte sekundäre Ebene zu studieren.

    Fragen wir uns nach der kulturellen Erklärung. Sie ist ebenfalls sinnlos, da eine Wahlfreiheit zwingend die Fortpflanzung der Menschheit untergräbt. Es ist evolutionsbiologisch überhaupt nicht möglich, daß eine Wahlfreiheit entstünde. Dies ist ja der Gender-Queer-Zugang zu HS. Der ja pervers und Pippi-Langstrumpfmäßig ist bis zum geht nicht mehr.

    Meine Erklärung wäre besser mit pathologisch oder tiefenpsychologisch/traumatisch zu bezeichnen.

    Kulturell meint ja meist diesen Queer-ich-denk-mir-die-welt-zurecht-müll.

    Die biologische und kulturelle Erklärung sind schon vom Ansatz her inkonsistent.

    Schau dich mal in der Homo-Welt um. Und denk an mich.

    Du hast selbst Fakten genannt. Ich belasse es erst mal hierbei. Wir können weiter im Gespräch bleiben.

    (Ich habe übrigens auf deinen letzten Kommentar bei mir geantwortet. Das könnte dich interessieren. http://neuesausdemgenderuniversum.wordpress.com/2011/04/19/unglaublich-trolle-machten-schon-nazis-das-leben-schwer/ )

      terminatus30 geantwortet:
      November 11, 2011 um 6:25 pm

      Hallo James,

      danke für die Wortmeldung. Wir können gerne bei Zeiten weiter diskutieren.

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