„Mann“ und „Frau“ – ein Auslaufmodell?

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Ihr, ich – wir alle begegnen in unserem Leben einer Unzahl von Menschen. Dabei ordnen wir ganz unbewußt unsere Gegenüber auch einem Geschlecht zu. Je nach Erscheinungsbild und bestimmten „Markern“ ist uns sofort klar, ob wir es mit einem Mann (in der Regel breitere Schulter, schmaleres Becken, Bartwuchs, Adamsapfel, muskulärer, größer) oder einer Frau zu tun haben. Es liegt auf der Hand, dass solche Unterscheidungs“muster“ auch biologisch-genetisch disponiert sind, zeigen doch schon Babies unterschiedliche Verhaltensweisen im Kontakt mit Männern und Frauen. Ungeachtet dessen gibt es Personen, auf die eine solche Einteilung „nicht zutrifft“; Menschen, welche der Überzeugung sind – obwohl körperlich kein Zweifel daran besteht, dass es sich um einen „Mann“ oder eine „Frau“ handelt – dem anderen Geschlecht anzugehören – der Terminus technicus diesbezüglich ist Transsexualität. Wissenschaftlich wird ein solches Verhalten als Störung der Geschlechtsidentität gesehen und auch dementsprechend in den wichtigsten Klassifikationssystemen (DSM-IV R, ICD 10) aufgeführt.

Behandelt man im normalen Leben Transsexuelle nun ihrem Erscheinungsbild entsprechend, dann ordnet man sie falsch ein, man diskriminiert sie.

Einer solchen Diskriminierung könnte man nur dadurch begegnen, dass man Menschen generell nicht mehr als Frau oder Mann sondern als Menschen oder Personen sieht, ihre persönliche Geschlechtsidentität damit berücksichtigt.

Genau ein diesbezüglicher Ansatz wurde im Bericht über Gender Mainstreaming in der Arbeit des Europäischen Parlaments (2011/2151(INI)) des Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter, als ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS über Gender Mainstreaming in der Arbeit des Europäischen Parlaments (2011/2151 INI) berücksichtigt.

Formell handelt es sich um einen non-legislativen Antrag zur Abstimmung im Europaparlament. Informell werden hier die Weichen gestellt, die Bipolarität der Geschlechter, den sprachlichen Umgang damit mittelfristig aus der europäischen Öffentlichkeit zu entfernen.

Unter Punkt 12 finden wir folgende „Ansicht“:

„12. ist der Ansicht, dass bei der Arbeit des Europäischen Parlaments im Bereich Gender Mainstreaming auch die Geschlechtsidentität einbezogen und geprüft werden sollte, wie sich die Maßnahmen und Tätigkeiten auf Transsexuelle auswirken; fordert die Kommission auf, der Geschlechtsidentität bei allen Tätigkeiten und Maßnahmen im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern Rechnung zu tragen“

Um einem solchen Ansatz zu entsprechen, bleibt nur die Nivellierung von Mann und Frau aus dem öffentlichen Diskurs, da Geschlechtsidentität ein zutiefst subjektives Empfinden darstellt. Dass damit auch! den Transsexuellen, welche ja eine Bipolarität, wenn auch in einem, für viele umgekehrten Sinne voraussetzen, ein Bärendienst erwiesen wird, scheint in der Debatte (gewollt) nicht von Relevanz zu sein.

2 Kommentare zu „„Mann“ und „Frau“ – ein Auslaufmodell?

    Omti sagte:
    November 9, 2011 um 1:02 am

    Das Problem ist, dass Gender Mainstreaming auf der fürchterlichen Queer Theorie beruht. Die aber besagt, dass jeder so ziemlich jede Sexualität/Geschlecht haben kann die er/sie/ser haben will.

    Das ist natürlich Humbug, auch transsexuelle haben ein Geschlecht, ansonsten wären sie der Logik zufolge wahrscheinlich ziemlich gut in ihr Genetisches Geschlecht integriert. Wenn jemand kein Gehirngeschlecht hat, dann ist die Person logscherweise frei Formbar und würde entsprechend von der Gesellschaft ge-cisgendered.
    Das allerdings ist das logische Problem bei der Queertheorie. Wenn sie gültig wäre, dann gäbe es die Individuen nicht, die sie zu erklären sucht.

    Ich verstehe wirklich nicht, wieso die uns alle Zwangsgeschlechtsumwandeln wollen. Alle Menschen sollen Zwitter werden oder so… Warum können die nicht einfach nach dem Motto Leben und Leben lassen agieren und allgemein Tolleranz gegenüber anderen Menschen fördern?

    Wenn ich so etwas lese wundere ich mich ob die Menschheit unfähig ist aus der Vergangenheit zu lernen.

    terminatus30 geantwortet:
    November 9, 2011 um 9:00 am

    Natürlich haben auch Transsexuelle ein Geschlecht. Wenn es die Bipolarität nicht geben würde, hätten Transsexuelle ja keinen Grund im anderen Geschlecht verharren zu wollen. Wirkliches Problem mit der bipolaren Geschlechtlichkeit, mit der „Geschlechtsidentität“ scheinen mir nur die sog. Transgender, die „Gendernauten“ zu haben – aus welchen Gründen auch immer!!

    Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass nur rund 1 von 10.000 Männern transsexuell ist, dann erscheint mir die Anzahl der Transgender noch einmal um Einiges geringer zu sein.

    Als denkender Mensch stellt man sich schon des Öfteren die Frage, ob die Gesellschaft nun völlig am Rad dreht. Wenn ich mir so manche Entwicklungen in Psychologie und Helferwissenschaft ansehe, kommt mir das Grausen.

    „Ich verstehe wirklich nicht, wieso die uns alle Zwangsgeschlechtsumwandeln wollen“

    Dazu gibt es eine Vielzahl an Erklärungsversuchen. Das Spektrum reicht von „Verschwörungstheorien“ über linke Ideologien.

    Die Aussagen von Huxley, aus dem Vorwort zu „Schöne neue Welt“ haben sicher etwas für sich:

    „Je mehr sich politische und wirtschaftliche Freiheit verringern, desto mehr pflegt die sexuelle Freiheit sich kompensatorisch auszuweiten. Und der Diktator (falls er nicht Kanonenfutter braucht und kinderreiche Familien, um mit ihnen noch unbesiedelte oder zu erobernde Gebiete zu kolonialisieren) wird gut daran tun, diese Freiheit zu fördern. In Verbindung mit der Freiheit des Tagträumens unter dem Einfluß von Rauschmitteln, Filmen und Rundfunk wird die sexuelle Freiheit dazu beitragen, seine Untertanen mit der Sklaverei, die ihr Los ist, auszusöhnen.“

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