Lehrer oder Lehrerin – das ist hier die Frage!

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Es wird immer wieder oder besser, immer noch behauptet, dass es keine Benachteiligung für Jungen in unseren feministischen Schulsystemen im Westen geben würde. Doch wie sieht es wirklich aus? Ist die Behauptung, dass zu wenige Lehrer und zu viele Lehrerinnen unseren männlichen Nachwuchs nachhaltig „femisieren“ angebracht und hält sie den Tatsachen stand oder nicht? Das ist die Frage, welche ich zu klären suche.

Ich werde im Weiteren einen Schultyp aus einem beliebigen Bundesland aus Österreich herausgreifen und ihn in den einzelnen Standorten auf die Anzahl der weiblichen und männlichen Lehrkräfte hin überprüfen.

Wenn nur 30% aller Lehrkräfte weiblich wären, könnte kaum von einer „Verweiblichung“ im Unterricht, unabhängig davon, dass der Lehrplan eine solche seit Jahrzehnten geradezu vorgibt, gesprochen werden.

Ich habe mich für die berufsbildenden höheren Schulen in Nordtirol entschieden, soweit ich dazu Unterlagen allgemein zugänglich bekommen konnte. Alle Angaben verstehen sich ohne Gewähr.

Laut Gruppenbild unterrichten an der Hak-Has Kitzbühel 18 Lehrer und 16 Lehrerinnen, wobei das Direktorat weiblich besetzt ist. Dh 48 % der Lehrkräfte sind weiblich und 52 % männlich.

In der Hak-Has Wörgl unterrichten laut Homepage 70 Lehrkräfte, darunter 26 männliche und 44 weibliche, was einer prozentualen Verteilung von knapp 63 zu 37 % zugunsten der Frauen entspricht.

An der B’HAK B’HAS Schwaz unterrichten 40 Lehrpersonen, darunter 16 männliche und 24 weibliche. Prozentual verteilt bedeutet dies: 60% w zu 40% m.

Das Lehrerkollegium der Bundeshandelsakademie Bundeshandelsschule Hall in Tirol setzt sich laut Website aus 18 männlichen und 19 weiblichen Lehrkräften zusammen, was einer prozentualen Verteilung von 51 % w zu 49% m entspricht.

Aus der Webseite der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Innsbruck entnehme ich 110 Lehrkräfte, davon 45 männliche und 65 weibliche. Das entspricht einem Prozentsatz von 59 zu 41 zugunsten der Frauen.

An der Handelsakademie – Handelsschule – Aufbaulehrgang Telfs unterrichten 44 Lehrpersonen, davon 21 männliche und 23 weibliche. Wiederum ein Prozentsatz zugunsten der weiblichen Lehrkräfte, hier: 52 zu 48%.

Die BHAK HLW BHAS Reutte, die Schulen der Wirtschaft unterhält 46 Lehrpersonen, 22 männliche und 24 weibliche. Das sind 52 zu 48 % zugunsten der Pädagoginnen.

Der Lehrkörper der BHAK/BHAS Imst besteht aus 63 Pädagogen, 28 männlichen und 35 weiblichen. Eine prozentuale Aufteilung von 55 zu 45 zugunsten der Frauen.

An der HAK HAS HLW Landeck finden sich 60 Lehrer. Davon sind 22 männliche und 38 weibliche.  Das entspricht einer Verteilung von 63 zu 37 % zugunsten des weiblichen Lehrkörpers.

Von ca. 504 Lehrkräften sind also zum heutigen Tag tirolweit betrachtet, rund 288 weiblich, das sind 57%.

Was wird wohl in einer Dekade sein, wenn zu alledem Gender Mainstreaming noch „geschlechtersensibler“ in unseren Schulen verankert ist? Wenn noch mehr „Empowerungsmaßnahmen“ für unseren weiblichen Nachwuchs umgesetzt werden? Werden unsere Jungen dann bis zur Matura überhaupt noch eine männliche Lehrkraft zu Gesicht bekommen?

Wollen wir es hoffen!

Nachtrag

Wir können es zwar hoffen, allem Anschein nach wird es wohl dennoch nicht eintreten. Laut Statistik Austria werden insgesamt 11.400 Lehramtstudenten an Pädagogischen Hochschulen für das Studiensemester 2010/2011 aufgeführt. Davon 2.573 männlich und 8.827 weiblich. Das entspricht einer prozentualen Verteilung von 77 zu 23 Prozent zugunsten der Frauen. Von der Volksschule bis zur höherbildenden Schule mit Matura scheint der Junge weiblichen Lehrkräften geradezu ausgeliefert zu sein.

Auch speziell die Studentenzahlen für Lehramt, aus welchen sich in der Folge das Lehrpersonal der höherbildenden Schulen generiert, sprechen Bände. Insgesamt belegten 16.841 Studenten ein Lehramtstudium im Semester 2010/2011 an einer öffentlichen, österreichischen Universität. 5.944 davon waren männlich, 10.897 weiblich, was einem Prozentsatz (w/m) von 65 zu 35 entspricht.

Interessant auch die Grafik: Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen und privaten Schulen 1923/24 bis 2008/09. Hier im Speziellen für Tirol.

Jahr – Frauenanteil quantitativ – Frauenanteil in Prozent an der Gesamtanzahl der Lehrer

1923/24 – 33 – 20,7
1930/31 – 57 – 23,3
1950/51 – 95 – 32,4
1960/61 – 150 – 34,0
1970/71 – 213 – 33,5
1980/81 – 523 – 43,4
1990/91 – 725 – 45,3
1995/96 – 808 – 46,7
2000/01 – 888 – 48,5

2007/08 – 941 – 50,5

Rechnen wir die Dekadenergebnisse (1950-2000) hoch, ergibt sich eine Steigerung des weiblichen Lehreranteils um rund 3,22% an der Gesamtzahl pro Dekade.

Wir können uns – da jetzt vermehrt die Jahrgänge der Gender-Mainstreaming-Begünstigten groß werden – darauf gefaßt machen, dass um 2030 rund 3/5 der Lehrer an öffentlichen und privaten Schulen in Tirol weiblich sind.

2 Kommentare zu „Lehrer oder Lehrerin – das ist hier die Frage!

    James T. Kirk sagte:
    Oktober 30, 2011 um 12:23 pm

    Ich persönlich finde nichts schlimm daran, viele Frauen als Lehrer zu haben. Man sollte hier doch die Kirche im Dorf lassen und nicht so wie Feministinnen aus rein formalen Gegebenheiten Benachteiligungen konstruieren.

    Entscheidend ist, denke ich, der Lehrplan, die gesellschaftliche Mentalität, die feministische und gender-sensible Durchdringung. Nicht, welches Geschlecht der Lehrer hat.

    Dann fangen wir schon genauso an wie irgendwelche dummen Feministinnen, die irgendwo eine geringe Prozentzahl sehen und sofort „Benachteiligung“ schreien.

    Man sollte sich nicht auf das Geschlecht der Lehrer fixieren, sondern reale Benachteiligungen ansprechen.

    Ich denke nur an die Quoten-Diskussion derzeit in Deutschland. Niemand weiß, warum in den 30 Dax-Unternehmen nur sagen wir 3 Prozent Frauen im Vorstand sind. Es ist eigentlich ein Graus, diese Diskussionen zu verfolgen. Weil die gesellschaftlich erwünschte „Erklärung“ natürlich lauthals und dümmlichst propagiert wird, obwohl niemand weiß, ob tatsächlich Benachteiligung hinter diesem Prozentanteil steckt.

    Das ist für mich immer wieder ein Graus. Daß die Leute diesen Ideologiecharakter nicht durchschauen. Daß hier einfach eine Erklärung einen Fetischcharakter hat, aus dem geistig debile Menschen moralischen Mehrwert für sich gewinnen. Mal etwas sarkastisch ausgedrückt.

    Jeder halbwegs intelligente Mensch könnte eigentlich diese Dynamik erkennen. Das ist für mich immer wieder schauerlich.

    Der Anteil der Frauen wird steigen, aber vermutlich nur deshalb, weil die gesellschaftliche Atmosphäre sich ändert, weil ein paar Verbesserungen vorgenommen werden. Der geringste Teil wird vermutlich darauf zurückzuführen sein, daß tatsächliche Vorbehalte unter männlichen Führungskräften gegenüber Frauen abnehmen.

    Und dann – bei angenommener „idealer Gleichberechtigung“ – wird der Prozentsatz vermutlich nur auf 10 Prozent steigen. Eine Verdreifachung.

    Das kann sich heutzutage fast niemand mehr vorstellen, daß wir schon nahe an idealer Gleichberechtigung sind, daß Männer und Frauen verschieden sind und daß bei realer Gleichberechtigung der Frauenanteil nur ein bißchen steigt.

    Dieses Szenario ist natürlich auch nur eine Erklärungsvariante, die ich nicht sicher weiß, genauso wie die, die heute so sehr erwünscht ist.

    Das ist das eigentlich Perverse. Daß diese völlig willkürlichen impliziten Wertungen und Schablonen, die immer eine Benachteiligung von Frauen zum Ziel haben, niemand zu hinterfragen in der Lage ist.

    Das klingt jetzt vielleicht etwas akademisch, aber es ist schon ein Graus, daß in einem hochentwickelten Kulturland niemand diesen Job übernimmt und sagt:“Hey Leute, das ist einfach Müll, dem wir da hinterherlaufen!“

    Wir haben hier Zehntausende mit Doktorgrad oder sonstwas. Intellektuelle, Journalisten etc.

    Niemand hat den Mut, die Wahrheit beim Namen zu nennen. Das ist schon peinlich.

    Ich denke da immer an Diktaturen und wie peinlich es ist, daß wir hier in einer kultivierten Demokratie leben und die Leute dermaßen feige und unterwürfig sind.

    So, das war jetzt mal mein erster Kommentar. 🙂

    terminatus30 geantwortet:
    Oktober 30, 2011 um 4:06 pm

    Danke für deinen Kommentar. Es ist in meinen Augen nicht ein Problem per se, wenn mehr Frauen als Männer den Beruf als Lehrer, Lehrerin anstreben.

    Das Problem sehe ich vielmehr darin begründet, mein Artikel über „Rechtsanwält_innen und Rechtsanwälte“ zeigt dies deutlich, dass eine steigende Anzahl an weiblichen Anwältinnen mit einer steigenden Anzahl an weiblichen Anwärterinnen und einer abnehmenden Anzahl an Anwärtern korreliert.

    Die Frage ist, ob die zurückgehenden Zahlen bei den männlichen Lehramtsstudenten und in der Folge Lehrern in Beziehung gesetzt werden können zum Zeitgeist oder nicht. Ich finde schon. Daher sind stark ansteigende Zahlen weiblicher Lehramtsstudentinnen und Lehrkräfte für mich auch ein Indiz hierfür – ein Grund zur „Sorge“, wenn man so will.

    Wir dürfen ja auch nicht vergessen, dass früher sehr viele Männer an Volksschulen als Lehrer gearbeitet haben. Das hat sich alles geändert. Männer ziehen sich vermehrt aus dem akademischen Bereich zurück, werden „positiv diskriminiert“ und niemand interessiert sich dafür.

    Das muss endlich angesprochen werden!

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