Alice Schwarzer zum Thema „Mann“ – Teil IV

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Auf Seite 8 finden sich 8 Artikel. Im Clinch fasst die Auseinandersetzung von Vilar und Schwarzer in der legendären Konfrontation aus dem Jahre 1975, aus Sicht des Spiegels zusammen. In Erinnerung bleiben nur die ad personam Attacken von Schwarzer – Sie sind nicht nur Sexistin, sie sind auch Faschistin! (und das an die Tochter deutsch-jüdischer Emigranten gerichtet) – und die seit 36 Jahren bekannten Argumente der Männerrechtler – präsentiert durch Vilar:

Aber auch ihre Argumente sahen nicht durchgehend schlecht aus, wenn sie mit der günstigeren weiblichen Sterblichkeitsrate der früheren Erreichung des Rentenalters oder der Freistellung vom Wehrdienst einige weibliche Privilegien gegen die militanten Emanzipationsklagen ins Feld führe.

Frauenmörder, die SS des Patriarchats wiederholt nur, was wir schon von ihr wissen. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau wäre seit Jahrtausenden ein ungleiches, durchzogen von Macht und sexueller Unterdrückung der Frau. Engels hätte wahrlich seine Freude an ihr. Wiederum wird generalisiert. Vergewaltiger werden als „Elite, die SS des Patriarchats“ dargestellt, der Mann wird als strukturell bedingtes, zumindest potentielles „Monster“ gesehen:

Für uns Frauen bedeutet das: Eine jede ist Opfer von Sexualgewalt oder kann es werden – egal wie stark oder selbstbewusst sie ist. Für die Männer heißt das: Ein jeder ist Täter oder kann es werden – egal wie schwach oder bewusst er ist.

(Sexual)Gewalt gegen Frauen – ein Auszug aus „Alice im Männerland (2002) – stößt ins selbe Horn. „Jede zweite Frau kennt sexuelle Gewalt aus eigener Erfahrung; etwa jedes dritte Mädchen ist sexuell missbraucht“ schreibt sie, ganz selbstverständlich und stellt damit jeden dritten Mann als Vergewaltiger hin. Sie verteidigt damit auch das „Wegweisungsgesetz“. Ein Gesetz, welches es einer Frau nach einem Streit mit dem Partner ermöglicht, ihn mit Hilfe der Polizei aus der Wohnung zu weisen – ungeachtet dessen, ob nun der Partner Eigentümer der Wohnung ist oder nicht. „Ein Anruf genügt“ also.

„Er hat mich geschlagen“ – „Das stimmt doch gar nicht!!!“ – „Verlassen Sie die Wohnung!“

Liebe Frau Schröder-Köpf! – EMMA 2/1999 stellt einen offenen Brief an Frau Schröder-Köpf, die damalige Kanzlergattin dar. Frau Schwarzer schreibt gerne Briefe an ihre Schwestern. Dieser ist interessant. Der Brief stellt eine Replik, wenn man so will, dar. Einige Aussagen von Frau Schröder-Köpf zum Feminismus, zu ihr, ihrem Feminismus, haben Frau Schwarzer scheinbar nicht „geschmeckt“. Zu Beginn hält Frau Schwarzer fest:

Zwar habe ich mich nie dazu hinreißen lassen, Ihr Privatleben oder das Ihres Mannes zu werten. Schließlich bin ich der altmodischen Auffassung, dass auch das Privatleben eines Politikers solange privat sein sollte, wie es sich nicht auf die Politik auswirkt.

Achso, das Private ist also nicht mehr politisch. Alles klar. Frau Schwarzer schließt mit Relativierungen:

Ich bitte Sie, Frau Schröder-Köpf, machen Sie aus Ihrer sehr privaten Entscheidung jetzt kein politisches Programm für „die meisten Frauen“. Denn das wäre wirklich von gestern – und würde so gar nicht passen zu dem Kanzler einer rotgrünen Regierung im Jahr 2000.

Bitte Frau Schwarzer, machen Sie aus Ihrer privaten Vendetta kein politisches Programm für „die meisten Frauen“ – hört sich doch auch überzeugend an oder nicht?

Reaktionen, Reaktionen führt einige „wohlgesonnene“ Reaktionen – andere scheint es ja wahrscheinlich auch nicht zu geben – zum, hier schon behandelten Text der Schwarzer, erschienen in der FAS, der Polemik gegen Kanzler Schröder, vor. In Eine moderne Liebe – EMMA 3/2005 gibt Schwarzer ihre Meinung zur Hochzeit von Prinz Charles und Camilla wider. Interessant wie sie sich für Camilla, die „spontane, witzige, sinnliche“ – bin ich im falschen Film? – einsetzt. Mir scheint da träumt hier einmal wahrlich! eine Schwester vom Traumprinzen. Interessant auch, wie sie ihre Analyse weiterführt und den Mann, den modernen Mann wiederum als nicht anpassungsfähig, sprich: defizitär darstellt. Der moderne Mann kann nicht zwischen Ehefrau und Geliebter unterscheiden, darum heiratet der! moderne Mann auch mehrere Male:

Denn in der modernen Liebe beherrscht der moderne Mensch die traditionell männliche Trennung zwischen Ehefrau und Geliebter nicht mehr ganz so perfekt, wie noch sein Großvater das tat. Darum heiratet der ganz moderne Mann auch gerne vier, fünf Mal, statt sich in sozialer Treue zu üben, unabhängig von jeweiligen Begehrlichkeiten.

Sie lesen hier nicht Mann? Ich schon. Ich lese Mensch, männlich, sein Großvater, Mann – ein (handels)üblicher Kniff in der sprachfeministischen Diktion. Staatspreis NRW – 17.1.05 – ja Sie lesen richtig, Frau Schwarzer hat den Staatspreis verliehen bekommen. Sie fragen sich, ob man den dafür kriegt, dass man behauptet „abgetrieben“ zu haben? Ich sage: Maybe – in Österreich kriegen Ärzte „Preise“ dafür, dass sie, ganz im Sinne des hypokratischen Eides um „Die Patienten vor Schädigung und Unrecht“ zu bewahren, menschliches Leben zu Tausenden töten. Das macht sich nur in einer Laudatio nicht so gut. Es wird wohl ein Grund dafür sein, dass der damalige Ministerpräsident von NRW, Steinbrück, in der Laudatio ganz was anderes von sich gab. Ich lade meine Leser dazu ein, sich dieses schwülstige Dokument selber einzuverleiben. Wir, in der Männerbewegung haben für Männer, die sich dermaßen anbiedern einen Ausdruck, den ich hier nicht verwenden werde. Der letzte Artikel, Der arme Mörder, beklagt einerseits die einseitige Berichterstattung während der Verhandlung zum „Mord“ an Veronika Geyer-Iwand, der Frau von Pastor Geyer, durch denselben und die filmische Umsetzung durch das ZDF, im Jahre 1998. Man mag ihr zustimmen liest dennoch wieder die Generalisierbarkeit heraus.

In Deutschland waren im Jahre 1996 unter 1.324 Tatverdächtigen wegen Mord(-Versuch) von zwölf Totmachern elf Männer. Und Geyers Verteidiger, laut Spiegel reputiert in der Verteidigung Angeklagter, die ihre Partner umgebracht haben, hat nach eigener Aussage bisher ganze zwei Gattenmörderinnen, aber 14 Gattinnenmörder verteidigt.

Ich lese hier, dass rund 8% der „Totmacher“ Frauen waren, ich lese hier, dass die Verteidigung bereits  2 Gattenmörderinnen, das sind 12,5 % aller „Gattenmörder“, vertreten hat. Das heißt also, das Böse ist auch weiblich??

Auf Seite 9 finden sich sieben Artikel. In Tagesspiegel: Frau an Fronten – 16.12.2010 analysieren die Autoren die erste Mercator-Vorlesung von Frau Schwarzer. Das wurde hier, in meinen Augen, besser gemacht. Die SS des Patriarchats – EMMA 6/1994 behandelt den von uns schon im Kontext der Buchveröffentlichung aus dem Jahre 2002 erörterten Artikel. Im Interview Schweizer Zeitung Bund aus dem Jahr 2005 gibt Schwarzer wieder einmal ihre Meinung zum Wahlkampf, zum Kampf zwischen Merkel und Schröder wider. Inhaltlich, wie gehabt. Missbrauch – die frühe Brechung stellt einen Auszug aus dem Buch „Der große Unterschied“, aus dem Jahr 2000 dar. Gut ist, dass sich Frau Schwarzer dem Thema Kindesmissbrauch zuwendet, wie sie es immer getan hat – dafür auch mein Respekt. Schlecht ist, dass sie immer wieder die Zahl der Missbraucherinnen verharmlost, herunterspielt:

Nein, 98,5 % aller Missbraucher sind Männer, laut Bundeskriminalamt. Und die verbleibenden 1,5 % Frauen sind in den meisten Fällen „nur“ Mittäterinnen.

Was ist hier mit der Dunkelziffer? Mit der viel größeren Scham für Jungen, sich einzugestehen, dass sie von der eigenen Mutter missbraucht wurden? Dunkelziffern scheint es hier für den Feminismus nicht zu geben, leider! Im Zeit-Magazin, aus dem Jahr 2009, Zeit-Magazin: Kein Zwang zur Mutterschaft, macht die Schwarzer den Vatikan dafür verantwortlich, dass so viele Frauen weltweit an unsachgemäßen Abtreibungen sterben würden. Ich wusste gar nicht, dass der Vatikan – weltweit – einen solchen Einfluß hat. Des Weiteren verteidigt sie Spätabtreibungen:

Die aktuelle Debatte um die sogenannten Spätabtreibungen ist in Wahrheit ein Angriff auf die schon jetzt so halbherzige §218-Reform; betrieben von Leuten, die ihren persönlichen Glauben zum Gesetz machen wollen. Sie sind wieder in der Offensive und haben längst neue Bündnisse geknüpft: statt wie einst schwarz-schwarz jetzt gerne schwarz-grün-rot. Doch noch ist Deutschland kein Gottesstaat, sondern ein Rechtsstaat. Und noch ist die Entscheidung von Frauen und Männern für oder gegen eine Elternschaft Privatsache und kein Fall für das Strafrecht. Und so sollte es auch bleiben.

Auch hier: Das Private also nicht politisch – na klar. Wahre Mutterliebe – EMMA 5/1978 hält nicht, was er verspricht. Ein wenig relativierend wirkt, dass dieser Text aus dem Jahre 1978 stammt. Das ändert aber nichts daran, dass in meinen Augen versucht wird, „Mutterliebe“ zu relativieren, denn

Aus „Mutterliebe“ sind es Frauen vor allem, die sich verantwortlich fühlen für die Kindererziehung. Aus Gewöhnung an die „Mutterliebe“ erwarten auch Männer, von Frauen bedient zu werden; treten Schwestern, Freundinnen, Kolleginnen, Ehefrauen die direkte Nachfolge der Mütter an. „Mutterliebe“ bedeutet also heute vor allem eines: Arbeit.

Und weiter:

Schlimmer noch: Der terroristische Anspruch der „Mutterliebe“ verbietet jeder Frau das Eingeständnis ihrer Ambivalenz, ihrer Widersprüche. Dabei ist es nun einmal eine Realität, dass Mutterschaft unter den heutigen Bedingungen Frauen weitgehend versklavt.

Genau und die Gesetzgebung gibt ihr da ja auch Recht. In Mutige Menschen – März 06 sieht Dohnanyi Schwarzer als solche. Er schließt mit:

Im Kampf um die Freiheit und Unantastbarkeit muslimischer Frauen kennt sie keine Toleranz und duldet keine Multikulti-Sprüche. Weil also die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Welt noch immer mehr Tinte als Wirklichkeit ist, werden wir sie noch lange brauchen. Tätig und als Vorbild.

Auf Seite 10 finden sich thematisch 8 Artikel. Im Interview Italienische Nachrichtenagentur ANSA aus dem Jahr 2005 wiederholt sie ihre Floskeln zur Kanzlerschaft von Frau Merkel. Die falsche Toleranz ist ein Auszug aus ihrem Buch „Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz“ aus dem Jahr 2002. Die vertritt darin die Meinung, dass das Kopftuch ein Symbol, „die Fahne des Feldzuges der Gotteskrieger“ sei und somit ein Unterdrückungsinstrument des Mannes gegenüber der Frau darstelle. Sie schließt mit:

Seit dem 11. September 2001 geht nun ein Schrecken durch die westliche Welt. Ein später Schrecken. Ob dieser Schrecken dem Westen wirklich die Augen geöffnet hat, ist zu bezweifeln. Verdächtig ist, dass bei dem Versuch, Psychologie und Motive der Täter zu begreifen, vieles in Erwägung gezogen wird, nur eines, das Sichtbarste, nicht: der Faktor Männlichkeit. Diese Männlichkeit – und vor allem: die verunsicherte Männlichkeit – ist der Stoff, der aus dem wirren Gebräu überhaupt erst ein explosives macht. Der Männlichkeitswahn mit seinem pathologischen Narzismus und Fremdenhass, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts leider nicht nur in den orientalischen Gottesstaaten, sondern auch in westlichen Demokratien grassiert, ist der entscheidende Faktor.

Sieh mich an! – EMMA 11/1991 ist eine Auseinandersetzung mit Inzest und Kindesmissbrauch, welchen wir schon behandelt haben. Die Würde der Frau ist antastbar – EMMA 12/1987 – dies meint Frau Schwarzer. Nun gut, nicht nur die Würde der Frau sondern die Würde des Menschen generell ist antastbar, ist Würde doch in erster Linie ein theologisches Konzept, wie die „Ebenbildlichkeit Gottes“ eben auch, von der sich dann das Würdeverständnis ableitet. Also die bösen Konservativen sind Schuld daran, dass es „Würde“, in der jetzigen Ausformung gibt. Schwarzer greift hier das Kapitel „Pornografie“ wieder auf. Wie schon erwähnt, stimme ich ihr hier in einigen Teilbereichen zu. Vor allem, wenn es um „harte Pornografie“ geht. In Heine-Gabe – Februar 06 – zur Verleihung der Ehrengabe der HH-Gesellschaft aus dem Jahr 2006 an Alice Schwarzer – präsentiert die Schwarzer zwei Kommentare dazu – ein Verriss und eine Lobhudelei. Die letzten drei Artikel behandeln ein Interview zum 70sten Interview Weltwoche, eine verkürzte Fassung der Analyse der Linguistin Trömel-Plötz, des Gespräches der Schwarzer mit Rudolf Augstein aus dem Jahre 1984 „Ach Alice…“ – Nov. 1993 und Schwarzers aktuelle Einlassungen zum Fall Strauss-Kahn Vergewaltigung ist ein Politikum – 3/2011.

Interessant im letzten Artikel, dass die Schwarzer auch für Deutschland die Einführung des Tatbestandes des „Hate Crimes“ zu wünschen scheint.

Möge sich nun jeder selbst ein Urteil bilden. Ich habe es getan.

2 Kommentare zu „Alice Schwarzer zum Thema „Mann“ – Teil IV

    Ist der Feminismus rassistisch ? « maennergedanken sagte:
    April 7, 2012 um 5:33 pm

    […] Für die Sparte Gleichheitsfeminismus möchte ich die Aussagen von Schwarzer selbst heranziehen, was sich aufgrund der Umstände geradezu anbietet. Nachdem Schwarzer sicher nicht dumm ist, entweichen ihr nicht oft Aussagen, die ihre wahre Gesinnung, die sie hinter dem Gleichheitsgeschwafel versteckt aufdecken. Ich danke meinem Bloggerkollegen Terminatus für die in akribischer Kleinarbeit zusammengetragenen Analysen von Schwarzers Aussagen über Männer. 1, 2, 3, 4 […]

    Verbreiter sagte:
    Oktober 5, 2012 um 6:32 am

    Urteil?

    Jemand wie Alice bekommt nicht ein, nein, zwei Bundesorden!
    Jemand wie Alice wird bei „Frauenfragen“ und
    auch sonst im Fernsehen gezeigt.
    Sie darf ungestraft ihr dummes Gerede verbreiten.

    Mit kleinen Worten, eine „Erfolgsgeschichte“.

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