Alice Schwarzer zum Thema „Mann“ – Teil II

Gepostet am Aktualisiert am

Auf Seite 4 finden sich 2 Artikel. Erotik-Killer Viagra – EMMA 4/1998 scheint auf den ersten Blick ein Plädoyer für „selbstbewusste Frauen und sensible Männer“, sich gegen die Einnahme von Viagra – welches damals auf den europäischen Markt kam – auszusprechen und damit auch von „saufenden und prügelnden Rammlern“, von „den Potenzhörigen unter den Homosexuellen“ und den „pornographisch angetörnten Jungs“ abzugrenzen, zu sein.

Doch warum eigentlich? Dass Frau Schwarzer Viagra als „Potenzverstärker aus dem Land der Powerboys“, für „Old boys“ und wiederum von „Old boys Blättern“ wie (Focus und Stern) aus diesem Grund gehypt sieht, war irgendwie klar. Interessant auch die Verknüpfung von impotenten Männern, die eigentlich könnten, aber nicht wollten – alsob es bei psychischen Problemen so einfach wäre – mit der Einnahme von Viagra, zeigt die Unkenntnis der Materie. Die Pille war und ist für die EMMA das Befreiungsinstrument der weiblichen Sexualität, „zum ersten Mal haben Frauen die Chance auf Kontrolle über ihren Körper und damit ihr Leben„, die Pille für den älteren Mann hingegen eine Lächerlichkeit und wohl in letzter Instanz ein weiteres Unterdrückungsmittel des Patriarchats. Dass Sexualität auch oder hauptsächlich eine Kopfsache ist, scheint mir nicht von der Hand zu weisen zu sein. Ebenso sicher scheint mir allerdings zu sein, dass viele ältere Männer Sexualität leben wollen, es aber mit der Errektion im Alter eben nicht mehr so klappt – errektile Dysfunktion – wie in der Jugend. Wo ist also das Problem? Das Problem liegt wohl tiefer. Was logisch ist, wenn man die Pille für den älteren Herrn als Unterdrückungsinstrument eines allfälligen Patriarchats begreift um den „Generationenvertrag“ zu lösen und sich an jüngere Frauen zu halten und die älteren Damen dabei gänzlich zu vergessen. Ja dann, dann kann man so argumentieren. Die Frage ist, ob diese Voraussetzungen auf die „Norm“ der Konsumenten zutreffen. Ich denke nicht. In 1975: Der kleine Unterschied und seine großen Folgen wird das Vorwort dieses feministischen Propagandawerkes widergegeben. Zum Buch generell Folgendes:

In ihrem Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ (1975) analysiert Alice Schwarzer die Sexualität als „Angelpunkt der Frauenfrage. Sexualität ist zugleich Spiegel und Instrument der Unterdrückung der Frauen in allen Lebensbereichen. Hier fallen die Würfel. Hier liegen Unterwerfung, Schuldbewusstsein und Männerfixierung von Frauen verankert. Hier steht das Fundament der männlichen Macht und der weiblichen Ohnmacht.“. Sie plädiert für eine „freie Sexualität“, der Primat der „Zwangsheterosexualität“ ist für sie kulturell bedingt.

Quelle: wikipedia

Vieles – abgesehen von der einseitigen Nachhilfestunde in Geschichte -, was man aus dem Vorwort entnehmen kann, scheint heutzutage widerlegt oder kein Thema mehr zu sein, anderes nur mit ideologisch verzerrter Wahrnehmung zu erklären. So ist die Trennung in klitoralen und vaginalen Orgasmus, bei Negierung der Existenz von letzterem heute so nicht mehr haltbar. Auch kann man ihre Schlussfolgerung

Nur der Mythos vom vaginalen Orgasmus (und damit von der Bedeutung der Penetration) sichert den Männern das Sexmonopol über Frauen. Und nur das Sexmonopol sicher den Männern das private Monopol über Frauen, das wiederum das Fundament des öffentlichen Monopols der Männergesellschaft über alle Frauen ist.

nur als einseitig, dem eigenen Denkmuster geschuldet, zurückweisen.

Auf Seite 5 finden sich fünf Artikel. Frauen ins Militär? – EMMA 6/1978 gibt kurzum Schwarzers Weltsicht zum Thema Militär, Männlichkeitswahn und Männergesellschaft wider. Natürlich fordert Frau Schwarzer auch hier den Zugang für Frauen – Fraulichkeitswahn? Sie schreibt:

Es muss uns also um die grundsätzliche Forderung des Zugangs für Frauen zu allen Machtbereichen gehen, auch zum Militär!

Das hat Frau Schwarzer ja mittlerweile erreicht – und mehr noch. In Vier Fäuste – 3.12.2002, gibt sich Werner Laibusch als Laudator zum 60er von Frau Schwarzer:

Heute also alles Gute zum 60sten, liebe Alice Schwarzer.
Von hier! Von mir! Auch von uns Männern:
Vier Fäuste, oder vielleicht doch versöhnlicher:
Vier applaudierende Hände.
Und immer zwei von einer Frau und zwei von einem Mann.
Natürlich!
Oder war das überhaupt je die Frage?

In Helden sinniert Frau Schwarzer über die ihr „eigentlich! recht fremde“ Welt des Profi-Fußballs. „So viele Vereine, so viele Länder – aber immer darf es nur einen Sieger geben“, schreibt sie ganz betroffen. Stimmt, das ist ungerecht. Es sollte vielmehr so sein, dass die Tore nicht zählen. Das Ergebnis werden die Kinder aber trotzdem wissen – wie es in der Folge von Two and a half Man, in welcher Jake in einem gemischten Fußballteam mitspielt; köstlich dargestellt wird. Auch wenn manche Fußballer in ihrer Interpretation daran leiden sollten, an dem Druck zugrunde gehen –

Nun hat der Tod von Robert Enke ein grelles Licht auf die Einsamkeit und Angst des Torwarts geworfen

so heißt das noch lange nicht, dass der zutiefst im Männlichen verankerte Wettbewerbsgedanke negativ konnotiert werden sollte. Im Wettbewerb stehende Männer sind auch Menschen, nicht wie sie meint:

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes hatte immerhin die Gradlinigkeit, das „Überlegenheitsdenken mancher Männer“ und das „Martialische“ anzusprechen, das alles leugnet: die Angst vorm Versagen, die Traurigkeit oder auch die Homosexualität, kurzum: das Menschsein.

Köstlich auch der Schluss:

Doch obwohl Frauen doppelt so häufig Depressionen haben, sagt die Wissenschaft, nehmen Männer sich dreimal so oft das Leben deswegen. Nicht mitgerechnet die, die sich zu Tode saufen. Denn hinter jedem dritten Alkoholiker verbirgt sich ein depressiver Mann.

Frau Schwarzer, fragen Sie sich einmal warum – oder besser doch nicht. In  Brief an meine Schwestern – EMMA 1/1984 verteidigt Frau Schwarzer die Annonce einer Mann-Frau Transsexuellen in der EMMA gegenüber einer „Freundin“ und erwähnt ein Streitgespräch diesbezüglich. Ganz im Sine Beauvoirs argumentiert Schwarzer für einen Gleichstellungsfeminismus, wenn sie schreibt:

Wir werden nicht als Frauen geboren, wir werden dazu gemacht. Beauvoirs Credo bleibt Kern jeder feministischen Analyse.

So gesehen ganz einleuchtend, wenn Frau Schwarzer Mann-Frau Transsexuelle – was ist eigentlich mit dem umgekehrten Fall – als „biologisch“ männliche Wesen mit „weiblichen“ Seelen sieht (btw. Wer hat denn dann die Seelen in die Körper gepflanzt, der liebe Gott des Patriarchats?) Doch weiter:

Die Existenz des Transsexualismus beweist: Die Seele ist stärker als der Körper – sie bestimmt die Geschlechtsidentität. Der Körper ist nur Vorwand für diese Zuweisung.

Tut sie das, die Existenz – schließt hier jemand vom Sein auf das Sollen? Oder tut sie es doch nicht, wie Neurobiologie und Genetik nahe legen? Ich wage kein Urteil zu fällen, bin mir jedoch sicher, dass viele Transsexuelle mit der Aussage: Als Transsexuelle wurden sie nicht geboren, zur Transsexuellen wurden sie gemacht, nicht zufrieden wären:

In einer vom Terror der Geschlechtsrollen befreiten Gesellschaft wäre Transsexualismus schlicht nicht denkbar.

Westerwelle, der Papst & ich – EMMA 5/2004 ist ein interessanter Artikel. Noch im Jahr 2004 scheint Frau Schwarzer der Meinung zu sein, dass der Mensch von Natur aus ein bisexuelles Wesen sei und Heterosexualität bzw. Homosexualität nur das Ergebnis früher Prägungen wäre.

Wissen wir doch spätestens seit Sigmund Freud, dass Sexualität nicht Natur ist, sondern Kultur; nicht angeboren, sondern erworben und oft Resultat früher Prägungen, aber auch lebenslanger Lernprozesse. Von Natur aus sind Menschen bisexuell bzw. multisexuell. Die vorherrschende Heterosexualität ist Resultat eines kulturellen Gebotes – und dessen Ablehnung, die Homosexualität, seine Negation.

Wenn Homosexualität aber „Kultur“ ist, dann kann man sie auch ändern, Frau Schwarzer, ganz im Sinne einiger „Fundamentalisten“, schon einmal darüber nachgedacht? Und dann noch der Verweis auf Kinsey, ach Gott, Frau Schwarzer, Sie als Kämpferin gegen Kindesmissbrauch verweisen auf einen „Sexualwissenschafter“, welcher wohl im regen Austausch mit Pädosexuellen, Daten – von deren Übergriffen – zur frühkindlichen Sexualität veröffentlicht hat. Auch die Ausführungen von Kinsey zur Prävalenz von Homosexualität sind nicht mehr up-to-date, sorry. Die Zahlen reichen von geschätzten 3 bis zu 5% der männlichen Bevölkerung – von 10% ist nicht einmal im liberalen Holland die Rede. Bedauernswert und das sage ich als Maskulist, die Einlassung zu Money:

Im Gegensatz dazu unterscheidet die moderne (Sexual)Wissenschaft seit der Neuen Frauenbewegung zwischen „sex“ (dem biologischen Geschlecht) und „gender“ (der Geschlechterrolle), und spricht von „fluktuierenden“ sexuellen Präferenzen.

Dem Leser sei hier mitgeteilt, dass diese Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“ aus der Sexualpsychologie stammt um sprachlich mit Transsexualität umgehen zu können. Diese Unterscheidung wurde dann an die Anliegen der Lesben- und Frauenbewegung angepasst um hervorzustreichen, dass es nicht nur zwei Geschlechter und drei Orientierungen gäbe sondern viel mehr nur fluktuierende sexuelle Präferenzen unter einer patriarchal erzwungenen Aufsplittung in „männlich“ und „weiblich. Mal lesbisch, mal heterosexuell, mal Mann mal Frau mal transident – alles Wurst. Interessant vielleicht, für diejenigen, die es noch nicht wussten, dass diese Trennung letztlich über ein Experiment des Psychiaters John Money legitimiert wurde. Dieses „Experiment“ hieß David Reimer, wurde zu Brenda Reimer „um“funktioniert und wählte im Jahre 2004 den Freitod. David Reimer zog, so Volker Zastrow, für sich den Schluss: „Man kann nicht sein, was man nicht ist“. Dem schließe ich mich an.

Lange Nacht mit Alice Schwarzer ist wiederum nur eine „Lobhudelei“ von Schulz-Gerstein auf den Feminismus und eine Reduktion des Mannes auf einen Patriarchatsjünger. So kann man den Kommentar zu einem Auftritt Schwarzers in der Provinz aus dem Jahre 1975, erschienen in „Die Zeit“, unter dem Schlagwort „Mann“ zusammenfassen.

Auf Seite 6 finden sich sieben Artikel. Der Mythos Sexualität stellt einen Ausschnitt aus einem Buch von Schwarzer, aus dem Jahre 2000 dar. Einige Schlagworte: „Sadomasochismus, breitenwirksames Aufkommen zeitgleich mit der Frauenbewegung als Reaktion, männliche Gewalt, Patriarchat“ – ich stimme zu, dass – wollen wir allgemeiner fassen – die Breite von diversen, „extremeren“ Praktiken im BDSM auch ein Kompensat des Mannes gegenüber der emanzipierten Frau darstellen kann. Ich gebe aber zu bedenken, dass der Feminismus in heutiger, gleichstellungsfeministischer Ausprägung in meinen Augen eine Mitschuld daran trägt, die sich darin äußert, dass auch nicht wenige, erfolgreiche Frauen oft kompensatorisch ein dominantes Gegenüber in sexuellen Dingen suchen. Nimmt man Frauen als selbstständige, nicht zu bevormundende Wesen an, wie Schwarzer das nicht tat oder tut, dann kommt man nicht umher, festzuhalten, dass der Zeitgeist wohl basalen Bedürfnissen vieler Frauen entgegensteht und ein hartes Berufsleben oftmals privat in Überkompensation endet. Diese Ansicht scheint mir wohlbegründet und schwer im Kommen zu sein. Ich verurteile auch eine Relativierung solcher Praktiken auf einen allfälligen „Konsens“, welcher sowieso nie – außer im Extremfall vor dem Richter – überprüft werden kann, durch Praktiker, hier vor allem im DSM-IV R und der vorgeschlagenen Nachfolgeversion und sehe eine solche Argumentation als dem Zeitgeist und Interessensgruppierungen geschuldet. That’s politics not science! Dass „Mythos Sexualität, Mythos Gewalt, ein männlicher Mythos“ sein sollen, dem kann ich nur unter Vorbehalt zustimmen. Gewalt in Beziehungen ist fast gleichverteilt und äußert sich „ähnlich“. Gewalt an Kindern ist auch! Gewalt durch Mütter und nahe weibliche Verwandte, wie zahlreiche Studien – sie spechen anteilig von 15-25% an den Gesamtfällen – nahelegen. So gesehen halte ich Schwarzers Schlussfolgerung:

Vermutlich wird die Frauenlust nicht das Fremde erotisieren, sondern das Vertraute; wird sie nicht vorwiegend vom Hass gespeist sein, sondern von der Liebe

für falsch. In  Motiv: Frauenhass wendet sich Schwarzer dem Amokläufer Tim K., in gewohnter, feministischer Manier, mit dem nahegelegten, nicht gezogenen Schluss (Tim K. Mann, Tim K. Amokläufer, Tim K. Frauenhass, Amokläufer in der Regel männlich, Amokläufer in der Regel Frauenhass? Männer in der Regel Frauenhass?) zu. Doch ist es so einfach? Ein (Gewalt)Pornografie konsumierender junger Mann, identitätslos, ein Frauenhasser, Opfer des Patriarchats oder ein am „Verrat am Manne“ durch den Feminismus zerbrochener? Wir werden es nie erfahren. Aus 30 Jahre danach – Wie aktuell ist der kleine Unterschied? einem Auszug, aus einem 2002 erschienenen Buch der Schwarzer, geht es um die Aktualität der Aussagen aus Schwarzers Buch „Der kleine Unterschied“. Sie konkludiert, in meinen Augen richtig – wenngleich ich ihre Argumente nicht gänzlich teile – folgendermaßen:

Die Entwicklung des Verhältnisses der Geschlechter ist heute Fortschritt und Rückschritt zugleich, auch in der Sexualität. Ein Teil der sexuellen Beziehungen wird gleicher, ein Teil noch ungleicher.

In Von Huren und Hurensöhnene – EMMA 1/2006 wendet sich Schwarzer den „riots“ in den französischen Vorstädten mit Exkurs auf deutsche Verhältnisse zu. Interessant das Zugeständnis, dass diese „Unruhen“, die Aufstände gegen soziale Misstände für Migrantenfamilien, von Jugendlichen sprich von Männern und nicht von Frauen getragen werden,

‚Fils de pute‘, Hurensohn, lautet heute die Schmähung der Polizeibeamten durch die Steine und Brandsätze werfenden Jugendlichen, bzw. Jungen, Mädchen kommen in dieser ‚Jugendrevolte‘ nicht vor.

obwohl diese, so Schwarzer „doppelten Grund zum Protest hätten“. Wie überall auf der Welt, in Ägypten oder Libyen, stellen die Männer das „Schlachtvieh“ für die Revolution dar und die Frauen partizipieren an den blutig erkauften Errungenschaften. Da nützt dann auch kein Hinweis darauf, dass die meisten „Demonstranten“, die meisten Zuwanderer, Muslime wären – sprich: in einem zutiefst patriarchal-klerikal beeinflussten, frauenfeindlichen Umfeld groß gewordene Männer. Für Deutschland sieht Schwarzer ebenfalls die Gefahr eines „Abdriftens der Jungen und Männer in muslimisch dominierten Vierteln“. Frauen sind Opfer, Männer Täter – ein ehernes Gesetz des Feminismus‘, so wird es auch bleiben. Ein interessantes Interview Weltwoche – 21.12.06 von Frau Schwarzer legt einiges zu ihrer Weltsicht offen. „Männer sind Schweine, traue ihnen nicht mein Kind“, scheint nicht nur die Botschaft der Ärzte zu sein sondern auch die, der Schwarzer. So teilt sie z.B. mit, dass sie in den Naturwissenschaften nicht ausreichend gebildet ist, vertritt dennoch einen kulturalistischen Anspruch in Geschlechterfragen. Patriarchat eben. Lesen’s mal Pinker Frau Schwarzer, das hilft weiter! Da hilft auch das „Wegwischen“ in der Replik auf das, richtigerweise getätigte Nachhaken des Interviewers, in Bezug auf biologische Theorien nichts. Letztlich bleibt nur der Verweis auf einen „Backlash“ in vielen Bereichen. Junge Männer sind halt doch nur pornografiesüchtige Frühpubertierende, deren Mütter für sie Kondome kaufen müssen – ach ne, das macht ja nur eine Freundin der Schwarzer für ihren 15jährigen Sohn. 2003 spricht Frau Schwarzer in einem Interview mit Roger Köppel und Thorsten Stecher „Ich bin es leid, eine Frau zu sein“ – 4.12.03 u.a. darüber, ob sich das Patriarchat noch abschaffen lässt. Das Patriarchat besteht seit 5000 Jahren. Dies ist für Frau Schwarzer ein Faktum, denn das hat Dr. Gerda Lerner, eine Historikerin bewiesen. Von einer Patriarchatslüge, wie sie jedem normalen Menschen einleuchtet, haltet Frau Schwarzer nichts. Auch sieht sie Benachteiligungen von Männern nicht in der Form, wie sie auftreten „Das gibt es, ist aber die Ausnahme“. Doch am interessantesten für mich ist das Eingeständnis, dass Frau Schwarzer, wie viele andere, berühmte Frauen auf dem Cover zu „Ich habe abgetrieben!“ gar nicht abgetrieben hat:

Ja, einige. Ich selber habe auch nie abgetrieben. Aber ich hätte es getan, wenn nötig

Lächerliche Tierliebe – EMMA 1/1984 verfestigt meinen Eindruck von Schwarzers Weltsicht. Sie meint allen Ernstes:

Die Hierarchie ist klar: Ganz oben ist der Eine, der Herrenmensch. In Relation zu ihm sind die übrigen „die anderen“. Unter dem Herrenmenschen sind die anderen Männer. Unter den Männern sind die Frauen. Unter den Frauen die Kinder. Und ganz unten, unter allen, sind die Tiere. Sie sind die Mindersten von allen. Sind sie nicht mindestens „nützlich“ oder haben das Glück, ein „Lieblingstier“ zu sein, dann sind sie vogelfrei.

Fortsetzung folgt

4 Kommentare zu „Alice Schwarzer zum Thema „Mann“ – Teil II

    Peter sagte:
    Oktober 8, 2011 um 12:18 pm

    Unter dem Herrenmenschen sind die anderen Männer. Unter den Männern sind die Frauen…

    Das ist schlicht und einfach Realitätsverweigerung. Frau Schwarzers eindimensionale Wahrnehmung kennt nur Geschlecht und Sexualität, die so eben mal als soziale Klassen, als mit den sozialen Klassen kongruent behauptet werden. Daraus leitet sie all ihre Deutungen ab, egal, um welche Phänomene es sich handelt.

    Im Prinzip ist bei ihr alles sublimierte Sexualität im freudschen Sinne, wobei alles Destruktive als Sublimation männlicher Heterosexualität gedeutet wird. Dem Vorwurf des vulgären Sexismus meint sie sich entledigen zu können, indem sie betont, dass die hegemoniale heterosexuelle Männlichkeit anerzogen sei, Produkt der Sozialisation und somit prinzipiell wandel- und gestaltbar. Die Pauschalität der Unterstellung aber ist vulgärer Sexismus.

    Es ist ein Charakteristikum totalitärer Ideologien, dass sie bestrebt sind, ein minimalistisches, maximal reduziertes und universal anwendbares Deutungsmuster, eine Metaerzählung, zu etablieren. Dem hier betrachteten misandrischen Feminismus ist dies ohne Zweifel gelungen. Der Maskulismus hat dem bisher nichts Ebenbürtiges entgegengesetzt.

    Der Du dich als Maskulist bezeichnest: Was kann der feministischen Metaerzählung entgegengesetzt werden wenn nicht eine eigene maskulistische? Wie könnte eine solche Metaerzählung aussehen, die nicht mysogyn ist und Frauen nicht von vornherein ausschliesst?

    terminatus30 geantwortet:
    Oktober 8, 2011 um 1:57 pm

    Hallo Peter, Ich halte die gleichheitsfeministische „Erzählung“ um in deinem Duktus zu verweilen, für keine Erzählung in einem postmodernen Sinne. In dieser „Erzählung“ schwingt immer schon Politik – Das Private ist politisch – mit.

    Ein paar Gedanken
    Ich weiß gar nicht, ob man dem eine „Metaerzählung“ entgegenstellen sollte. Es gibt viele Problemfelder, an die man herangehen müsste. Zum einen die Schutzmechanismen, welche eine Auseinandersetzung in den letzten Jahren verhindert haben. Ich spreche hier von „Diskriminierung“ und „Politischer Korrektheit“ bezüglich der feministischen Doktrin. Zum anderen sollte man sich im Klaren darüber sein, was man erreichen will. Kein Männerrechtler, der Ernst genommen werden will, sollte auch nur daran denken, hinter einen staatlich gesicherten Gleichberechtigungszustand zurückgehen zu wollen.

    Andererseits ist ein Gleichstellungsfeminismus nicht haltbar. Dessen ungeachtet muss gleichsam konstatiert werden, dass der Gleichstellungsfeminismus der „antiquierten“ Rollenbilder geradezu bedarf um seine Anliegen durchsetzen zu können, ohne diese, keine von Männern gestützte Durchsetzung. Wenn Männer, Frauen wie Männer behandeln würden, gebe es den Gleichstellungsfeminismus und GM nicht breitenwirksam. Dies zum einen. Zum anderen sollten Männerrechtler zwei Dinge einklagen und hervorheben.

    1. Einseitige Frauenbevorteilung muss beendet werden; sehen sich die Frauen erstmalig mit Benachteiligungen aus der Genderpolitik breitenwirksam konfrontiert, ist es schnell mit der Unterstützung, die eh geringer ist als angenommen „media control“, hierfür vorbei.
    2. Ein Hauptaugenmerk muss auf die Kinder und Jungen gelenkt werden. Hier werden sowohl Mütter, als auch Väter am ehesten konform gehen.

    Des Weiteren sollte endlich einmal von der Wissenschaft Stellung bezogen werden, auch öffentlich. Gegen „Evangelikale“ geht’s ja auch. Es muss viel mehr Männer geben, die sich mit dem Feminismus auseinandersetzen. Wer hat schon Butler oder Beauvoir gelesen?

    Ein weiterer Punkt wäre, die Männer aus der Kompensation herauszuholen. Dass der verloren gegangen Männlichkeitsstatus in die Sexualität getragen wird, leuchtet mir ein und ist sicher nicht zweckdienlich um ein Miteinander zu erhalten.

    Das Stichwort heißt: Öffentlichkeit schaffen. Aus der Verdrängung über die Kompensation in die Konfrontation, denn der Gleichstellungsfeminismus kann nur im Geheimen erfolgreich operieren.

    Peter sagte:
    Oktober 9, 2011 um 7:44 am

    Hallo Terminatus

    Deinen Ansatz würde ich einen pragmatischen nennen. Den braucht es unbedingt, ohne Zweifel. Aber es bleibt das Problem, dass sich der pragmatische Ansatz der „Opposition gegen feministische Zumutungen“ nur als Reaktion, als defensive Abwehrhaltung manifestiert und darum recht einfach als reaktionär (im ursprünglichen Wortsinn wäre er das dann tatsächlich) diffamiert werden kann. Eine Emanzipationsbewegung des Mannes lässt sich auf dieser Grundlage, so scheint mir, nicht aufbauen.

    Meine Metaerzählung, die sich der feministischen als universales Deutungsmuster entgegenstellt, beschreibt den Mann und seine Männlichkeit als über die Zeiten missbrauchte und andauernd verfügbare ökonomische Ressource, derer sich alle zu bedienen versuchen, insbesondere auch der Feminismus, der, wie Du richtig feststellst, diese antiquierten männlichen Rollenbilder beibehalten will und ebenso der traditionell dauernd verfügbaren ökonomischen Ressource Mann bedarf.

    Typisch für diesen als rechtlose ökonomische Ressource missbrauchten und benutzten Mann ist der Zahlvater und der Wehr- oder Zivildienstleistende. Von beiden wird ganz selbstverständlich, ohne dass ihm grundlegende Rechte zugestanden werden, erhebliche Leistungen abverlangt.

    Es ist kein Zufall, dass Gender Mainstreaming diese fundamentalen und das Geschlechterverhältnis prägende Rollenbilder ausblendet. GM bedarf des Mannes als ökonomische Ressource, um darauf die weibliche Selbstverwirklichung aufzubauen. Zynisch könnte Mainstreaming (Hauptstrom) als der Geldfluss/Geldstrom verstanden werden, der Geldfluss von den Männern zu den Frauen.

      terminatus30 geantwortet:
      Oktober 9, 2011 um 8:48 am

      Hallo Peter,

      in gewisser Weise hast du Recht – man kann ihn durchaus als pragmatischen lesen. Nur, ich wüßte nicht, wie man hier momentan herauskommen könnte, ohne den „neuen Mann“ zu erschaffen. Der „neue Mann“ wird aber der alte sein, der er niemals war. Ich befürchte eine Backlash ähnlich wie Meister Roslin es sieht. Der neue Mann wird ein dominanter sein und werden. Letztlich das, was wir privat schon haben. Es wird sehr schnell gehen. Ich würde sagen, meine Generation U30 hat das großteils schon umgesetzt.

      In diesem Sinne ist „der Blick vom Vorüberziehn der Stäbe, zwar so müd geworden, dass er nichts mehr hält“, der „ALTE Panther sieht nur mehr die Stäbe und dahinter keine, wahrlich keine Welt“ .

      Der junge Panther blickt auf seinen Vater, der Élan vital macht seine Glieder steif. Mit stechend scharfem Blick sieht er die Stäbe, fokussiert auf einen externen Punkt jedoch zugleich. Er sieht die Menschin taumelnd vor den Stäben, den Mann als Männin an ihrer Seite gleich, er sieht das Kind auf seinen Schultern, erkennt der Mann vor ihm ist weich. Kein Tanz von Kraft um eine Mitte, die fehlt, verbindet diese Qual. Nur der kleine Junge, abgewandt zur Mutter, sein Blick ist rein und stechend klar, er wird vollenden was schon längst begonnen, den Prozess der Ermannung in seiner Welt so wahr, wie er es tun wird hinter diesen Stäben, als Mann des Vaters Platz er nehmen wird dereinst, die Weibchen werden ihn dafür lieben und die andern, väterlichen einen, werden nicht mehr sein. So will es die Natur, wollen es die Gene, wie es einst war und immer dar, wird es sein auch wenn wir glauben uns zu wähnen, in Kultur schafft erst den Menschen, sicherlich na klar.

      Eine Metaerzählung wäre für mich „das Kind mit dem Bade ausschütten“. Mein Ansatz ist und bleibt eine Gleichberechtigung der Geschlechter aber keine Gleichstellung, eine akzeptierte Gleichwertig- aber keine Gleichartigkeit. Momentan sehe ich keinen Weg, eine solche Metaerzählung zu etablieren, da der weibliche Opfermythos noch zu stark in der Gesellschaft verankert ist. Vielleicht sollte man(n) sich auf zutiefst eigene Verhaltensmuster, -dispositionen besinnen, welche Gemeinsamkeit lancieren. Auf die Alphamänner können wir hierbei nicht hoffen, auf die Kompensierer auch nicht. Eigentlich bedürfte es des Konzeptes einer „Neumoderne“, eines weisenden Werkes, welches mit der Postmoderne bricht, bewährte, akzeptierte Muster reaktiviert und gleichzeitig erreichte Verbesserungen beläßt. Das allerdings nur theoretisch. Ich ahne, dass meine eingangs getätigte Behauptung zutreffen wird.

Kommentare sind geschlossen.